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 Berlin: Begegnungen und Begebenheiten

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BeitragThema: Berlin: Begegnungen und Begebenheiten   Mi 24 Feb 2010, 13:05

Hallo, liebe Schreibkolleginnen und -kollegen,

ich möchte euch gern mein Buch Berlin: Begegnungen und Begebenheiten vorstellen.

Bücher über Berlin gibt es ja inzwischen jede Menge. Was ist also so spannend an meinem Buch? Die darin enthaltenen - zum Teil humoristischen, zum Teil melancholischen - 25 Kurzgeschichten bewegen sich fernab vom Tourismus, dafür sind sie ganz nah am Berliner Alltagsgeschehen. Jede dieser im Tagebuchstil geschriebenen Begebenheiten wird von einer Fotografie abgerundet.

Und so schaut das Buch aus:


Mehr Infos gefällig: www.coralita.de/blog
Leseprobe auch? Et voilà:

Zitat :
Komischer Vogel
14. Juli

Sonniger Sommersonntag. Es ist 14.00 Uhr durch. Ich sitze in einem Café und nippe genüsslich an meinem Milchkaffee. Ein großes Käsefrühstück steht vor mir, die Zeitung liegt ausgebreitet auf dem Tisch, einen Teil davon habe ich aufgeschlagen in der Hand. Menschen schlendern vorbei, lachende Frauen, Männer mit Kinderwagen, ältere Ehepaare, die sich bei den Händen halten. Zufriedenes Vogelgezwitscher. Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen weht – es ist weder zu warm noch zu kühl. Sehr angenehm. Genauso fühlt sich auch dieser Tag an. Pure Harmonie.

Harmonisch – um nicht zu sagen langweilig – ist auch die Nachrichtenlage. Sommerloch. Unterhalten fühle ich mich trotzdem, denn ein kleiner Spatz sucht dann und wann meine Nähe. Er reckt mit stakkatoähnlichen Bewegungen das Köpfchen und schaut mich fragend an. Als ich nichts tue, scheint er sich zu langweilen und hüpft auf den Tisch. Dort verweilt er etwa eine Minute, dann schnappt er hastig nach ein paar Brotkrumen, pickt sie alle auf einmal mit dem Schnabel auf. Er guckt mich wieder an – und fliegt weg. Komischer Vogel… Grinsend versuche ich, mich wieder in die Lektüre zu vertiefen.

Ein junges Paar nähert sich einem Tisch neben mir und nimmt Platz. Der Mann ist schätzungsweise 35 Jahre alt, die Frau unwesentlich jünger. Beide sind adrett gekleidet. Sie sitzen schweigend da, glücklich sehen sie nicht aus. Ich beobachte sie eingehend. Die junge Frau bemerkt es und schaut mich mahnend an. Ich fühle mich ertappt und schaue verlegen weg. Vielleicht schweigen sie sich ja nur heute an, hoffentlich nicht generell. Ich rätsele darüber, was wohl zwischen ihnen vorgefallen sein mag.

Er hängt eher im Stuhl als dass er sitzt – die Arme verschränkt – und fingert an seinem Schlüsselbund. Er schaut sie nicht an. Sie sitzt aufrecht, in einer nur scheinbar selbstsicheren Haltung und hat die Stirn in gefährliche Falten gelegt. Ich sehe, dass sie den Tränen nahe ist, weil sein Blick nicht bei ihr ist. Doch zugeben würde sie es ihm gegenüber nie. Stolz steht ihr ins Gesicht geschrieben. Immer wieder wage ich einen zaghaften Blick zum Nachbartisch. Doch was ich sehe, macht mich betroffen. Ich sacke etwas in mich zusammen und tue so, als würde ich weiter lesen. Konzentrieren kann ich mich jetzt nicht.

Ich brauche etwas Leichtes. Mal schauen, was im Fernsehen läuft. Schon wieder eine Liebesschnulze mit George Clooney in der Hauptrolle. Der altbewährte Herzensbrecher. Oh je, nicht auch noch ein schlechtes Fernsehprogramm. In Gedanken ändere ich das Drehbuch und mache aus dem Film einen spannenden Mafiathriller. Aus Clooney forme ich mir Robert de Niro. Aus Fantasie wird auf diese Weise beinahe ein Lachanfall, den ich auch nur unterdrücken kann, ja sogar muss, weil ich mich am Kaffee verschlucke. Ich räuspere mich und wende mich etwas wirklich ernstem zu: dem Wirtschaftsteil. Langweilige Sekunden vergehen.

Das Paar bestellt jetzt ebenfalls Milchkaffee und zweimal Frühstück. Sie hat ein Lachsfrühstück, er das große Wurstfrühstück. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, ich habe ja nur Käse. Ich philosophiere darüber, wie sich das Körnerbrötchen auf meinem Teller jetzt wohl mit Lachs und Meerrettich machen würde… Ich greife leidenschaftslos nach einer Scheibe Käse und seufze laut auf. Ich muss mit meinen Geräuschen haushalten. Langsam falle ich auf. Ich lächele höflich und kaue kniggegerecht.

Die beiden schweigen sich weiter an. Ich ahne, dass gleich etwas passieren wird zwischen den beiden. Ich spüre förmlich die Spannung. Hochgeladen. Mir ist sehr unbehaglich zumute. Die Stimmung schlägt mir aufs Gemüt. Ich möchte aufstehen, hektisch meinen Kram zusammenpacken und auf der Stelle gehen. Lieber nicht. Ich glaube, das würde auffallen. Brav bewahre ich die Ruhe.

Dann geschieht etwas Unerwartetes: Der kleine Spatz nimmt auf dem Tisch zwischen den beiden traurigen Gestalten Platz. Das Tier schaut die Frau an, die Frau schaut den Mann an, der Mann schaut die Frau und dann den Spatzen an. Der Vogel legt das Köpfchen in extreme Schieflage – zum Schreien komisch. Unmöglich, jetzt nicht wenigstens zu lächeln.

Und tatsächlich: Die Gesichtsausdrücke meiner beiden Tischnachbarn werden weicher. Die Frau seufzt, ihre Augen füllen sich mit Tränen der Erleichterung. Er zwinkert ihr zu, lächelt sie an und steht auf, um sie zu umarmen. Lange halten sie sich fest. Der Spatz schnappt nach ein paar Krümeln und fliegt auf und davon. Ein wirklich komischer Vogel.
Das Buch Berlin: Begegnungen und Begebenheiten ist im Handel erhältlich unter:
Polaszewski, Anja; Berlin: Begegnungen und Begebenheiten - Hauptstadtgeschichten; Norderstedt: Books On Demand, 2009
ISBN: 978-3837036145, 140 Seiten, 25 Kurzgeschichten, 25 Fotografien, Paperback, 12,90 EUR
Außerdem könnt ihr das Buch direkt bei mir bestellen - auf Wunsch mit Widmung! :-)

Danke für Eure Aufmerksamkeit!
Herzlich,
Coralita
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BeitragThema: Höhenflug   Mi 24 Feb 2010, 14:40

Die folgende Geschichte stammt aus dem Werk "Berlin: Begegnungen und Begebenheiten" von Anja Polaszewski, die ich selbst bin. ;-)

Zitat :
HÖHENFLUG

Nun sitze ich hier, zusammengekauert auf der Rückbank einer Cessna 172 Skyhawk. Ich ärgere mich, denn ich habe mich zu etwas hinreißen lassen, das ich eigentlich gar nicht will. Menschen gehören auf den Boden, nicht in die Luft. Sonst wären sie Vögel geworden. Ich seufze und schnalle mich an. Noch die Sonnenbrille aufsetzen, damit meine Flugangst nicht so auffällt. So, jetzt sehe ich richtig lässig aus. Dumm nur, dass die Sonne gar nicht scheint.

Nervös bewegt sich mein Knie auf und ab. Ein Blick aus dem leicht verschmutzten Fenster. Dunkle Wolken ziehen aus der Ferne heran, sie wirken bedrohlich. Der Liebste und sein Fliegerfreund vorne im Cockpit entscheiden, nur eine Platzrunde zu drehen. Eine größere Tour wäre jetzt zu riskant; später eventuell, wenn das Wetter besser ist. Die Kerle sind sichtlich enttäuscht darüber, dass sie mir vielleicht nicht mehr als das hier bieten können. Ich tue so, als wäre ich auch betrübt und nicke mitfühlend vor mich hin. In Wahrheit bemitleide ich mich aber gerade selbst und verfluche mich in Gedanken, vorher kein Testament verfasst zu haben.

Die Cessna hüpft zur Piste. Tapfer mache ich gute Mine zum vermeintlich bösen Spiel. Pilot und Copilot unterhalten sich über das Prozedere und machen – wahrscheinlich um mich aufzumuntern – kleine Späße zum Thema Fliegen. Die finde ich aber gar nicht lustig. Ich zwinge mich zu einem gequälten Lächeln und trage es mit Fassung. Lässig. Immerhin trage ich meine Sonnenbrille. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Aber der muss ja auch nicht fliegen.

Ich bin ganz hibbelig und überlege, wieder auszusteigen. Zu spät: Der Pilot drückt den Gashebel. 20 Knoten, 40… 60… Mein Liebster tätschelt mir vom Copilotensitz aus das Knie und fragt, ob alles in Ordnung sei. Mit einem inzwischen auf den Lippen festgeforeren Lächeln schiebe die Sonnenbrille noch weiter ins Gesicht. Bestimmt habe ich jetzt Abdrücke um die Augen. Bei etwa 70 Knoten hebt die kleine Maschine etwas wackelig ab. Der Wind sticht ihr in die Seite.

Schon sind wir oben. Das ging schnell. Es ruckelt ziemlich, und ich fühle mich unbehaglich, aber nicht so sehr wie damals in der Eifel beim Segelfliegen oder den Linienflügen, die ich bisher alle überlebt habe. Die Wolkenfront nähert sich, nach dem Downwind gehen wir schon in den Right Base, den rechten Queranflug. Eine Kurve. Hua! Meine Hände krallen sich in die Oberschenkel. Final. Alles geht ganz schnell. Wir landen, und prompt beginnt es zu regnen. Der Wind ist auch heftiger geworden. Perfektes Landing.

Am Boden beschließen wir, noch etwas zu warten. Vielleicht klärt es sich auf. Dann könnte man doch noch eine Tour machen. Insgeheim wünsche ich mir, dass es so bleibt, wie es ist. Natürlich klärt es sich auf. Durch die Wolken bricht die Sonne, und als es komplett aufhört zu regnen und der Wind nachlässt, dreht mein Liebster noch ein paar Platzrunden, bevor wir uns zu viert erneut in die Cessna setzen. Er gesellt sich zu mir auf die Rückbank; auf dem Copilotenplatz sitzt jetzt der ehemalige Fluglehrer der beiden Fliegerfreunde.

Es geht in Richtung Brocken. Ich staune, denn der Flug ist angenehm ruhig. Ich genieße die Aussicht. Geometrische Formen in der Gestalt von Feldern, Wäldern, kleineren und größeren Orten. Uns zur Rechten macht sich ein großer Regenbogen breit. Inzwischen bin ich kühn geworden: Ich wage einen Griff in meinen Fotorucksack und ziehe sogar die Kamera heraus, mit der ich das farbige Naturwunder einfange.

Nach einem knapp einstündigen Flug trinken wir am Flugplatz Stendal einen Kaffee, vertreten uns kurz die Beine und treten dann den Rückflug an. Mein Liebster, jetzt in der Rolle des Piloten, fragt die anderen Männer, ob sie etwas dagegen hätten, wenn seine Süße zu ihm nach vorne käme. Haben sie nicht. Ohne zu murren quetschen sie sich auf die Rücksitze. Als der Pilot die Maschine sicher in die Luft bringt, bewundere ich ihn heimlich.

Ich lasse die Muskeln locker, schaue mir die Landschaft zur Rechten und den Flieger mir zur Linken an. Er bombardiert mich konsequent mit Fachbegriffen. Ich bin jetzt beinahe entspannt und grinse übermütig vor mich hin. Doch dann deutet der Liebste auf das Steuer. Verdammt, ich hätte es wissen müssen – von Anfang an. “Schätzchen, hältst Du mal kurz? Ich muss eben was suchen.” Ein entsetzter Blick nach links. Das meint er doch jetzt nicht ernst. Nee oder? Doch. Zumindest schaut er ernst und nimmt die Hände vom Steuer. Mechanisch ergreife ich es und halte es fest in beiden Händen.

“Geil oder? Das fühlt sich doch krass an oder? Da muss man mal ein Gefühl für kriegen!” Ach ja, muss man das? Und wer fragt mich, ob ICH das will? In diesem Moment sehe ich den Süßen an einem Marterpfahl vor mir. Ich führe Kriegstänze und -gesänge auf, mit bunten Federn im Haar und bedrohlich-bemaltem Gesicht. Doch der Pilot, dessen Aufgabe eigentlich das Fliegen ist, kramt mal hier herum, schaut mal dort nach hinten und dann wieder nach vorn. Doch es kommt schlimmer. “Süße, da vorne links siehst Du ein Dorf. Nimmst Du mal Kurs darauf?“ Der hat sie doch nicht mehr alle! Ich reiße die Augen weit auf und sehe mich nicken.

Ich klammere mich an einen Strohhalm: Das Flugzeug hat eine leichte Neigung nach oben, weswegen ich das Dorf nur schlecht sehen kann. Das bedeute ich dem Liebsten, in der Hoffnung, damit aus dem Schneider zu sein und ihm die Kontrolle wieder übergeben zu können. “Ach so! Stimmt ja.”, sagt er enthusiastisch. “Das macht aber gar nichts, Schätzchen! Da drückst Du das Ruder hier einfach ein bisschen rein. So…” Er nimmt meine Hände und presst sie mitsamt dem Steuer ein Stück nach innen. Ich gucke ihn hasserfüllt an. Das Flugzeug kippt die Nase nach unten. Das wiederum zwingt mich, wieder nach vorn zu schauen. “Da, nun siehst Du es.” Er grinst mich stolz an. Das wird er bereuen. Und wie! “Gut machst Du das!”, wagt er doch tatsächlich noch zu sagen. “Guck mal, da unten hast Du zwei Pedale. Tritt doch da mal drauf, damit Du siehst, was dann passiert.” Wäre ich jetzt verheiratet, würde ich mich SOFORT scheiden lassen. Was soll da schon passieren? Bestimmt nichts Gutes! Ich drücke doch da nicht drauf! Ich bin doch nicht irre!

Ich BIN irre. Denn da ist diese unwiderstehliche Faszination. Anscheinend bin ich verrückt geworden, denn abwechselnd trete ich auf das linke, dann auf das rechte Pedal. Ich ärgere mich über meine Inkonsequenz in Sachen Flugangst. Erst fürchte ich es, dann führe ich es – das Flugzeug. Mit noch immer schweißkalten Händen bediene ich mal das Höhen-, dann das Quer- und später wieder das Seitenruder. Der Liebste lobt mich für mein “Gespür fürs Fliegen”, doch ich würde es jetzt spontan als “Überlebenswillen” bezeichnen.

Mit wackligen Knien, aber trunken vor Glück, steige ich nach der Landung aus der Maschine. Die Sonne lacht noch immer. Doch mit meinem Strahlen mache ich ihr Konkurrenz. Ich möchte fliegen lernen.
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BeitragThema: Re: Berlin: Begegnungen und Begebenheiten   Mi 24 Feb 2010, 14:42

Das hört sich ja wirklich Spannend und interessant an!

Ich habe deinen Beitrag aber mal in die Werbeecke verlegt, ich denke hier passt es sehr gut hin, denn es handelt sich ja um dein selbst geschriebenes Buch... das du uns und anderen vorstellen möchtest.
Und ein wenig Werbung ist dies ja auch für dich!

Eine sehr schöne Schreibweise! Man is ja praktisch hautnah dabei! Vielen Dank für deinen tollen Einblick in das Buch!
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