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 Flucht

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Phönixfeder
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BeitragThema: Flucht   Mi 28 Jul 2010, 09:03


Bei dieser Aufgabe fliehen wir vor etwas angsteinflößendes.
Entscheidet selbst vor wem, oder was ihr flieht.
Und ja, ihr lest richtig, diesmal seid ihr selbst die Hauptfigur.
Die Szene wird also in der "Ich-Form" geschrieben.
Seid dabei, wenn die Angst euch über den Rücken kriecht.
Beschreibt eure Flucht, vor dem Grauen hinter euch; mit Emotionen, wo ihr seid und was ihr tut.
Achtung: Diese Szene ist auf höchstens 1 DIN A 4 Seite beschränkt, Schriftgröße 12, arial


Viel Spaß, euch allen und ich bin gespannt was dabei raus kommt und ob euch das Grauen kriegt oder euch die Flucht gelingt



Phönixfeder
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BeitragThema: Re: Flucht   Di 03 Aug 2010, 13:08

Hmm, so, ich habe dann einmal etwas versucht.

Flucht vor ihm

Ich atmete schwer und ich spürte, dass ich zitterte. Ich konnte nicht sagen, ob es vor Kälte oder vor Angst war. Panisch sah ich mich um.
Wieder einmal war ich in einem seiner Verstecke. Es war ein altes, verlassenes Haus voller Staub und Spinnweben. Offenbar war er nicht all zu oft hier. Ich wusste allerdings nicht, ob ich das nun als gutes oder eher als schlechtes Zeichen werten sollte. Hieß das, er würde nur selten kommen, um mich zu besuchen und ich hatte somit einige Zeit meine Ruhe vor ihm, ehe ich wahrscheinlich verhungerte, falls er nicht daran dachte, mit etwas zu Essen mitzubringen oder würde das heißen, er würde sich jetzt öfters hier aufhalten, jetzt, nachdem er mich hierher verschleppt hatte, wie er es schon viele Male getan hatte.
Ich ging langsam und fast zaghaft einen Schritt nach vorn. Die Dielen knarrten unter meinen Füßen. Ich schrie kurz auf, obwohl ich wusste, dass ich das Geräusch selbst verursacht hatte. Es gefiel mir hier nicht und ich wollte wieder weg. Zu Mum oder zu Kathy oder zu sonst wem, aber ich wollte nicht hier sein. Nicht in diesem grauenvollen Haus und das erst recht nicht, wenn ich wusste, dass er wiederkommen würde. Er konnte mich gar nicht alleine hier lassen. Er genoss es viel zu sehr, zu sehen, wie ich mich fürchtete. Schon alleine deshalb würde er wiederkommen, aber vielleicht würde es ihm langweilig werden, wenn ich mich versteckte.
Genau. Ich würde mich verstecken und vielleicht hatte er ja vergessen, eine Tür oder ein Fenster abzuschließen und dann konnte ich fliehen, auch wenn ich keinen blassen Schimmer hatte, wo um alles in der Welt sich sein Versteck befand.
Ich sah mich nun weiter um, schließlich musste ich mich hier auskennen, wenn ich fliehen wollte. Mein Herz klopfte und ich war überzeugt davon, dass es in diesem Raum hier zu hören war. Mein Atem ging immer noch schwer, wahrscheinlich hörte ich mich an wie ein Nashorn. Oder es kam mir nur so vor, weil ich selbst außer meinem Atem und meinem Herzschlag nichts hören oder spüren konnte. Ich wusste es nicht, aber die Stille trug auch nicht gerade dazu bei, dass ich anfing, mich hier wohl zu fühlen. Sie erinnerte mich eher an einen Horrorfilm, in dem der Mörder seinem Opfer in einer dunklen Ecke auflauerte.
Plötzlich hörte ich Schritte und ich konnte mich selbst schreien hören. Er war da. Nur nicht in diesem Raum. Er musste unten irgendwo sein. Irgendwo in diesem Haus musste es eine Treppe geben, die nach unten führte. Aber ich kannte mich hier noch nicht aus. Ich hatte bis jetzt nur diesen Raum gesehen und davon auch nicht viel, da ich mich viel zu sehr auf meine Gedanken konzentriert hatte, als auf meine Umgebung.
Ich hörte, wie die Schritte lauter wurden. Er kam zu mir hinauf!
Okay, nur eine Panik, dachte ich und fragte mich im selben Moment wie um alles in der Welt ich das machen sollte.
Vorsichtig und so leise wie möglich schlich ich mich aus dem Raum und sah die Treppe, die nach unten führte, allerdings sah ich direkt neben mir noch eine Treppe. Wenn er hinauf kam, gab es nur eine Möglichkeit: Ich musste noch weiter nach oben, schließlich würde er mich in diesem Raum vermuten, wo ich eben noch gewesen war.
Leise und langsam schlich ich mich in Richtung der Treppe, obwohl ich am liebsten gerannt wäre, aber dann würde er mich hören. Ich setzte einen Fuß auf die erste Stufe und sie knarrte. Für meine Ohren klang es fürchterlich laut und ich hörte, wie er die restlichen Stufen nun hinauf rannte, also tat ich das Einzige, was mir noch übrig blieb: Ich rannte nach oben und hörte, wie er mir folgte.
Die Treppe schien kein Ende nehmen zu wollen und ich wusste, dass er immer näher kam. Er war schneller als ich. Er war schon immer schneller als ich gewesen. Ich stolperte, weil ich es so eilig hatte, hinauf zu kommen. Ich fiel hin und stieß mir das rechte Knie an der Stufe. Es schmerzte fürchterlich, aber das war mir egal. Ich wollte weg.
Ich richtete mich hastig auf, um weiter hinauf zu laufen, als ich spürte, wie sich seine Hand um mein Handgelenk schlang und ich stieß einen spitzen, angsterfüllten Schrei aus.
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Phönixfeder
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BeitragThema: Re: Flucht   Di 03 Aug 2010, 19:06

Eine spannende Szene, die dir da über die Finger kam. Erschreckt mich sehr, gerade weil sie so real rüber kommt.
Einige umwandlungen in den Sätzen würden sie etwas erleichtern, denn du hast einige wiederholungen.


Anschauungsbeispiel:

Zitat :
Ich stolperte, weil ich es so eilig hatte, hinauf zu kommen. Ich fiel hin und stieß mir das rechte Knie an der Stufe. Es schmerzte fürchterlich, aber das war mir egal. Ich wollte weg.
Ich richtete mich hastig auf, um weiter hinauf zu laufen, als ich spürte, wie sich seine Hand um mein Handgelenk schlang und ich stieß einen spitzen, angsterfüllten Schrei aus.


Das zweite "hinauf" könntest du einsparen, das macht das ganze lockerer und lässt sich dann zügiger lesen. Der Leser weiß ja das sie nach oben möchte.

Solche wiederholungen waren einige Male vorhanden, ist aber nichts weltbewegendes.
Einige Sätze hättest du zusammenfügen können um den Ablauf "geschmeidiger" zu machen.

Alles in allem ein gutes Werk, das einen fesselt und eine Tolle Szene in einer Kurzgeschichte bilden würde. Das Ende bleibt offen und macht neugierig. Gefällt mir!
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Max Riley
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BeitragThema: Re: Flucht   Sa 07 Aug 2010, 01:34

Ein Test von mir...

Wenn mich Jemand fragen würde: „Was ist mit Dir passiert?“
Ich hätte keine Antwort. Ich weiß es nicht. Alles ging so schnell, dabei hatte es so normal begonnen.
Meine Söhne waren wie immer zeitig wach. Die kleinen Pampasrocker interessierte es schließlich nicht ob ihr alter Herr Spätschicht hatte, erst um zwei Uhr Morgens in die Falle kam. Wieso auch? Es sind nur Kinder. Pünktlich um Sechs standen sie auf der Matte, wollten Aktion, sprangen in ihren Übermut zu mir und meiner Frau ins Bett um uns sogleich als Trampolin zu benutzen. Während Alexandra sich aus der warmen Decke quälte, Frühstück zubereitete und die Kleinen in den Kindergarten fuhr, horchte ich weiterhin an meinen Kissen. Ein ganz normaler Tag eben.

Jetzt ist alles anders. Meine vertraute Welt stand Kopf. Nur in Unterhosen und Shirt bekleidet kauerte ich hier, versteckt unter einer Hecke, während strömender Regen mich frieren ließ. Müde, ausgelaugt, außer Atem und dem Wahnsinn nahe.

Vor weniger als einer Stunde riss mich ein lauter Knall aus dem Schlaf. Ich hörte wie Holz brach, Glas splitterte und Schritte über den Parkett im Gang hetzten. Es mag Paradox klingen, aber der Schrecken der in meine Glieder fuhr, mich unsanft in die Realität zurückholte, belebte mich gleichermaßen. Sofort war ich Hellwach, warf meine Decke zur Seite und wollte nach dem Rechten sehen, im Glauben meine Frau habe was vergessen und im Eifer des Gefechts etwas fallen lassen.
Als ich leise murmelnd einige Flüche über meine Lippen presste, nach der Klinge griff, knallte mir die Tür entgegen. Der Aufprall war Hart, doch fing meine Hand, sowie meine Schulter den heftigen Stoß ab. Trotzdem taumelte ich einige Schritte zurück, ein wütendes Stöhnen auf der anderen Seite vernehmend. Noch bevor ich einen theatralischen Schmerzensschrei hervorbringen, Alexandra anfahren konnte warum sie mir die Hand brechen wolle, bellte ein bedrohlicher Donner auf. Splitter stoben aus dem Holz der Tür, fegten in meine Richtung. Zeitgleich hörte ich die Scheibe der Balkontür klirren. Ein weiterer Knall, nur Sekundenbruchteile später, stanzte ein weiteres Loch in das Holz, ließ das Glas in meinen Rücken entgültig bersten.
Ich wusste nicht was geschah, stand nur verwundert, irritiert und völlig Geistesabwesend zwischen dem breiten, fünftürigen Schlafzimmerschrank und dem Bett während Schüsse meine Zimmertür durchlöcherten. Selbst wenn ich hätte wollen, ich hätte vor Entsetzen keinen Laut über meine Lippen bringen können. Mein Puls raste, obwohl mein Herz ihr Pochen eingestellt zu haben schien. Gedanken, ich hatte keine. Alles war leer. Als würde mein Gehirn die Informationsflut die auf mich einprasselte nicht verarbeiten können.
Erst als ein dritter Schuss bellte, ein heftiger Schlag meine Schulter traf, mich zu Boden schleuderte, kam ich erst wieder zu mir. Schmerz hatte ich keinen. Im Gegenteil, mein linker Arm fühlte sich Taub an, während dunkles, fast schwarz wirkendes Blut aus einer kleinen runden Wunde quoll und sich erst in den Scherben der Balkontür Rot färbte.
Weitere Salven hämmerten durch die gepresste Sperrholzplatte, jagten über mich hinweg. Nur eine Kugel schlug in den Wand, zwischen dem noch heilen Fenster und Balkontür, riss den Putz von den Ziegeln. Ich wand mich am Boden, kroch durch die Scherben, darauf bedacht den Kopf so weit wie möglich am Boden zu halten. Die kleinen Schnitte, die ich mir an den Handflächen und Knie zuzog interessierten mich im Augenblick wenig. An was ich dachte, ich hatte keine Ahnung. Es war reiner Reflex. Nein, eher Überlebensinstinkt. Vorsichtig, so geräuschlos wie möglich, solange die Waffe nicht verstummte, nur keine Aufmerksamkeit erregen, in Deckung kriechen.
Krachend, mit aller Kraft die man aufbringen konnte, wurde die Schlafzimmertür aufgetreten, regelrecht aufgeschlagen. Mein Magen brannte als ich erschrocken zusammenfuhr, die schwarz gekleidete unter einer Skimaske verborgenen Gestalt erblickte, die nach meinem Leben trachtete.
„Da ist er!“ erklang nur die dumpfe Stimme, während sein Magazin aus der Waffe glitt, zu Boden fiel und der Unbekannte eine Reservemunition in die Pistole schob. Mein Blick war verschwommen. Obwohl nur wenige Sekunden verstrichen, erschien es mir wie eine Ewigkeit. Unterbewusst wartete ich bereits darauf, wie man oft sagte, das kurz vor seinem Tode das ganze Leben vor seinem inneren Auge vorbeiziehen würde. Dies geschah jedoch nicht. Das Gefühl in meinem Bauch, es war bleiern, als wurden Tonnen auf mir lasten. Mein Puls raste und in meinem Hals kroch Übelkeit empor als würde ich mich gleich Übergeben müssen.
Der Unbekannte zog den Schlitten der Pistole zurück, entsicherte seine Waffe. Noch immer schien die Zeit irgendwie hängen geblieben zu sein, nicht im normalen Limit zu verrinnen. Zumindest war dies mein primäres Empfinden. Mit sicherem Wissen, wenn mir nichts einfallen, ich nicht schnell genug sein würde, würde ich vielleicht nicht mal den nächsten Knall mehr hören.
Die Angst trieb mich, mein Überlebenswille pumpte Adrenalin durch meine Adern. Ich wollte nur noch weg. Mit allem was mir zwischen die Finger kam, warf ich nach dem Eindringling, in der Hoffnung das er ausweichen musste, so nicht genau auf mich zielen zu können. Scherben, die meine Finger weiter zerschnitten. Wäschestücke, die am Boden verteilt waren, den in schwarz Gekleideten jedoch nicht einmal erreichten als plötzlich etwas schweres, hartes in dessen Richtung flog und genau traf. Das Bügeleisen landete genau auf seinen Kopf, ließ es laut und deutlich knacken, als er stöhnend zurücktaumelte, sich ein weiterer Schuss löste. Die Kugel fuhr in die Decke, während ich mich aufrichtete und genau das Gegenteil dessen tat, was eigentlich in mein Gehirn eingebrannt war. Anstatt zu fliehen, rannte ich auf die Person zu, der benommen am Türrahmen torkelte, nach halt suchte und schrie. Mit aller Gewalt, mit vollem Schwung den ich auf die kurze Distanz mitnehmen konnte, sprang ich gegen die halb offene Tür und quetschte den Arm des Angreifers ein.
Ob ich sie ihm brach, ihm abtrennte, in diesem Augenblick war mir das völlig egal. Und selbst wenn irgendwas dergleichen geschehen war, ein brechen seiner Knochen hätte ich im spitzen Schmerzensschrei den er ausstieß nicht gehört. Zudem, es interessierte mich auch nicht. Ich wollte Überleben und wenn es sein sollte auch über dessen Leiche.
Seine Rechte, die ich eingeklemmt hatte, hatte immer noch die Waffe in der Hand. Wenngleich der Arm selbst irgendwie deformiert, eher wie eine durchhängende, gummiartige Struktur wirkte. In meinem Adrenalinschub öffnete ich die Tür nochmals um sie erneut auf dessen Rechte zu dreschen, bis seine Fingern schließlich die Umklammerung seiner Waffe lösten. Sofort nahm ich sie an mich, wollte den Eindringling mit dessen eigener Pistole bedrohen, ihn demaskieren und in Erfahrung bringen was er eigentlich von mir wollte, als eine weitere Person das Feuer eröffnete, die Kugel in den Türstock jagte und mir brennende Splitter ins Gesicht schlugen. Rücklings fiel ich ins Bett, unterdrückte den Schmerz zähneknirschend.
„Er hat meine Knarre!“ hörte ich den Angreifer, wie er noch immer schrie, die Warnung mühevoll hervorbrachte. Es war, im Nachhinein gesehen, mein Glück. Denn die Splitter nahmen mir für einige Sekunden die Sicht. Auch begann plötzlich meine taube Schulter zu pochen und explodierte in unsäglichem Schmerz. Ich lag auf dem Präsentierteller. Nur die Tür aufgeschlagen, kurz gezielt, Peng, und ich wäre erledigt gewesen. Aber die Warnung zwang nicht nur den zweiten Angreifer zur Vorsicht, sondern sie erweckte erneut den Überlebenswillen.
Rasch wälzte ich mich vom Bett, ignorierte die Schmerzen, die mich nicht nur behinderten, sondern auch schreien ließen, und richtete die Waffe auf die Tür, bereit meinen Finger zu krümmen und tatsächlich auf Menschen zu feuern. Ohne Rücksicht auf die Scherben am Boden eilte ich so schnell es ging durch sie hindurch, wagte einen hastigen Blick auf den Balkon, ob nicht vom Wohnzimmer, das am Ende dessen lag, irgendein Maskierten bereits darauf lauerte mich umzupusten. Ich sah nichts, wollte jedoch auch kein Risiko eingehen, nahm zwei Schritte Anlauf um über das Geländer in den Blumengarten des Nachbarn, einige Meter unter mir, zu springen. Eine Rechnung die aufging. Der Boden war durch den ständigen Regen so aufgeweicht, das ich bis zum Knöchel in der Erde versank. Trotzdem landete ich wie ein nasser Kartoffelsack, legte mich der ganzen Länge nach in den lockeren Humus, als ich über mir hörte wie die Schlafzimmertür wohl entgültig aus den Angeln flog.
Keuchend richtete ich mich auf, hetzte durch die Blumen, hielt mich so nah wie möglich an der Hauswand und rannte was das Zeug hielt. Nur dreihundert Meter lagen zwischen mir und einer Tannenbaumplantage, einer Deckung die mir mehr als gelegen kam. Dazwischen waren jedoch Fünfzig Meter zu den Nachbarhäusern und etwa Hundertfünfzig Meter freies Feld. Aber, es war die beste Chance.
Mein Puls raste, als ich die zweifelhafte Sicherheit der Außenwand verließ, unter den Büschen und Kirschbäumen im Garten hindurchschlüpfte und auf die Terrasse des Nachbarhauses hetzte. Meine Lungen brannten, ebenso wie die Schnittwunden an meinen Händen. Der Schmerz in meiner Schulter machte mich bereits rasend, aber er sagte mir nur zu deutlich das ich noch am Leben bin. Innerlich fluchte ich über mich selbst, das ich es in den letzten Jahren etwas zu sehr schleifen ließ, gutes aber fettes Essen dem gesunden vorzog. Der Speck auf meinen Rippen machte mich nicht nur langsamer, sondern der zusätzliche Kraftaufwand, die überflüssigen Pfunde in Bewegung setzen zu müssen, ermüdeten mich rasch. Seitenstechen ließ mich nach Luft schnappen. Meine Schläfen pochten, bauten unsagbaren Druck auf als ob mein Kopf gleich Explodieren wollte, wissend das ich den längsten und schwierigsten Teil der Strecke noch vor mir hatte.
Den Nachbarn hatte ich erreicht, doch über das offene Feld, die dreifache Strecke. Meine Lungen, verkleistert durch Tabak und viel zu hohen Nikotingebrauch, streikten bereits beim Anblick der doch kurzen Distanz. Doch der Überlebenswille siegte erneut. Ich stieß mich von dem Haus des Nachbarn ab, rannte was meine Beine auf dem schlüpfrigen Boden hergaben. Keinen Blick zurück wagte ich, wusste nicht ob die Angreifer mich sahen. Die Furcht die mich beflügelte, schien Kräfte in mir zu mobilisieren, die weit jenseits meines inneren Schweinehundes anzutreffen sind. Keuchend, völlig außer Atem, erreichte ich den Zaun, warf mich in den Graben der die Plantage umgab. Durch die Regenfälle sammelte sich hier allerlei Wasser an, so dass ich im feuchten Element lag wie in der Badewanne.
Vorsichtig wagte ich einen Blick zurück nach Hause, sah jedoch nur noch wie ein schwarzer Kombi, mit durchdrehenden Reifen startete, mit mindestens Neunzig durch die verkehrberuhigte Zone heizte und verschwand. Ich selbst traute den Frieden noch nicht, kroch unter den Zaun durch, setzte mich unter eine Tanne und beäugte die Waffe in meiner Hand.
Erst jetzt als langsam die Ruhe in mir zurückkehrte, überwältigten mich die Schmerzen meiner Wunden, die mich laut aufschreien ließen.....
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BeitragThema: Re: Flucht   Mo 09 Aug 2010, 10:15

@Max Auch eine sehr originelle Idee

Toll geschrieben...achte aber auf Flüchtigkeitsfehler.
Was mir noch auffällt, du hast bei so Aufzählungen mit , oft unasgeschriebene Sachen...ein Wort mehr würde das ganze glatter laufen lassen.
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