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 Der Kampf in mir

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BeitragThema: Der Kampf in mir   Mo 11 Jul 2011, 14:54

Wie bei den anderen auch... kopiert die vorher geschriebenen Szenen und schreibt eure eigene hinzu. 4-5 Sätze reichen vollkommen aus, dürfen aber gerne auch mehr sein.

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Jetzt seid ihr dran...
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Genre : SciFi, Fantasy, historischer Roman

BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mi 27 Jul 2011, 08:55

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar


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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mi 27 Jul 2011, 14:54

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
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Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
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Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Do 28 Jul 2011, 07:43

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
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Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
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Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Do 28 Jul 2011, 15:04

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An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
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Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
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Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
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Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
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Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Fr 29 Jul 2011, 07:24

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An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
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Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
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Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
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Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
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Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
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Ihr Herz pochte unerträglich. Das Geühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Fr 29 Jul 2011, 12:35

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An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mo 01 Aug 2011, 07:06

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mo 01 Aug 2011, 14:04

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Di 02 Aug 2011, 07:05

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Di 02 Aug 2011, 13:52

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika


Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
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Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
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Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
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Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
-------------------------------------------------Beringar

Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres scharz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
--------------------------Somika
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mi 03 Aug 2011, 08:04

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika

Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
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Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres scharz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
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Die Fahrt dauerte 40 Minuten an, ehe der Chauffeur die schwere Limousine in eine Tiefgarageneinfahrt manövrierte.
Im Haus mit der Nummer Sieben residierte Dr. Joshua Steinfeld im 2. Stock eines gegenüber dem Stadtpark gelegenen Bürokomplexes. Neben Maklern, Notaren und Rechtsanwälten sowie einem Labor für Zahnmedizin empfand man seine Praxis als unauffällig. Der herrliche Blick ins Grün durch das großzügige Panoramafenster brachte mancher gestressten Seele eine innere Ruhe zurück. Heute lagen die Dinge differenzierter. Dr. Steinfeld erwartete seine schwierigste Patientin, Amy Parker. Nicht alleine ihr Auftreten als reiche unausstehliche High Society Lady wirkte auf andere Menschen abstoßend, sondern der tatsächlich Zustand ihres Seelenheils bereitete ihm Sorgen. Das Gehabe konnte als Fassade seinem geschulten Wissen und der Erfahrung vieler Jahre zwar in einer beeindruckenden Weise standhalten, aber ihr tiefer sitzenden Aggressionen ängstigten ihn zeitweise. Wenn ein Termin mit ihr anstand, saß er mit der Patientenakte eine geschlagene Stunde im Voraus an seinem Schreibtisch. Die Protokolle schwankten zwischen Wutbewältigung, sexuellem Frust und einer Abneigung, engere Beziehungen aufbauen zu wollen. Und dann war da ein weiterer Punkt. Vor jedem Treffen stolperte Steinfeld über seine Randnotizen. Aus ihnen las er eine Sache deutlich heraus, die zu noch größerer Beunruhigung Anlass gab. Es ereigneten sich Situationen, in welchen er glaubte, mit einer zweiten Person zu sprechen. Und auf eine ihm unbekannte Art verhinderte seine Patientin, dass er das Gespräch gezielt auf diesen Umstand führte. Heute wollte er es auf eine direktere Weise angehen. Er musste die Sitzung mit diesem Punkt eröffnen, musste sie von Beginn an damit konfrontieren.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Mi 03 Aug 2011, 14:13

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika

Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
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Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
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Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
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Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
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Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
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Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
-------------------------------------------------Beringar

Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres scharz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
--------------------------Somika

Die Fahrt dauerte 40 Minuten an, ehe der Chauffeur die schwere Limousine in eine Tiefgarageneinfahrt manövrierte.
Im Haus mit der Nummer Sieben residierte Dr. Joshua Steinfeld im 2. Stock eines gegenüber dem Stadtpark gelegenen Bürokomplexes. Neben Maklern, Notaren und Rechtsanwälten sowie einem Labor für Zahnmedizin empfand man seine Praxis als unauffällig. Der herrliche Blick ins Grün durch das großzügige Panoramafenster brachte mancher gestressten Seele eine innere Ruhe zurück. Heute lagen die Dinge differenzierter. Dr. Steinfeld erwartete seine schwierigste Patientin, Amy Parker. Nicht alleine ihr Auftreten als reiche unausstehliche High Society Lady wirkte auf andere Menschen abstoßend, sondern der tatsächlich Zustand ihres Seelenheils bereitete ihm Sorgen. Das Gehabe konnte als Fassade seinem geschulten Wissen und der Erfahrung vieler Jahre zwar in einer beeindruckenden Weise standhalten, aber ihr tiefer sitzenden Aggressionen ängstigten ihn zeitweise. Wenn ein Termin mit ihr anstand, saß er mit der Patientenakte eine geschlagene Stunde im Voraus an seinem Schreibtisch. Die Protokolle schwankten zwischen Wutbewältigung, sexuellem Frust und einer Abneigung, engere Beziehungen aufbauen zu wollen. Und dann war da ein weiterer Punkt. Vor jedem Treffen stolperte Steinfeld über seine Randnotizen. Aus ihnen las er eine Sache deutlich heraus, die zu noch größerer Beunruhigung Anlass gab. Es ereigneten sich Situationen, in welchen er glaubte, mit einer zweiten Person zu sprechen. Und auf eine ihm unbekannte Art verhinderte seine Patientin, dass er das Gespräch gezielt auf diesen Umstand führte. Heute wollte er es auf eine direktere Weise angehen. Er musste die Sitzung mit diesem Punkt eröffnen, musste sie von Beginn an damit konfrontieren.
-------------------------------------------------Beringar

Als die Türe zu seiner Praxis mit einem süßem 'Dingdong' aufging, schien er förmlich die Kälte zu spüren, die mit der Person in den Raum trat. Jene Person trat an den Schalter und als sie ihre Stimme erhob, musste Dr. Steinfeld automatisch schlucken. Teilweise hatte er Angst andererseits war er viel zu neugierig und aufgeregt. Wie ein Verbrecher spähte er durch den Spalt seiner Behandlungszimmertüre hinaus in den Warte- und Empfangsraum. Da stand sie! Ihre Haltung erinnerte an eine Königin, nein Göttin, aus alten Zeiten. Doch ihre Augen strahlten nur Verachtung und Hochmut aus. Während sie darauf wartete, dass ihr die Empfangsdame ihre Krankenkarte wieder zurückgab, sah sie sich im Raum um. Erleichtert schnaufte Dr. Steinfeld aus, als sie den Spalt in seiner Türe und sein Gesicht mit den großen Augen darin, nicht erkannt hatte. Aber plötzlich, kaum hatte er diesen Gedanken zueende gedacht, da schnellte ihr Kopf herum und zwei erbarmungslose Augen funkelten ihn direkt an. Unweigerlich lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Die Empfangsdame unterbrach Amy, in dem sie ihr einen Platz im Wartezimmer anbot und ihr die Krankenkarte aushändigte. Wortlos nahm Amy die Karte und ließ sich langsam auf einen der bequemen Wartezimmerstühle sinken.
Schnell schloss Dr. Steinfeld wieder die Türe und holte erst einmal tief Luft. Dann richtete er noch einmal seinen Hemdkragen zurecht und trat dann als selbstbewusster Doktor aus der Türe.
"Guten Morgen, Amy! Wie geht es uns?", begrüßte er seine Patientin und hielt ihr die Hand hin.
In dem Moment wäre er am liebsten gestorben. Langsam hob sie ihren Blick zu ihm auf und blickte ihn wortlos mit einer Kühle an, dass Dr. Steinfeld fast eine Gänsehaut bekam. Er nahm die Hand wieder herunter und zeigte Amy wortlos an, ihm zu folgen.
Als sie das Zimmer mit der großen Couch und dem mächtigen Schreibtisch betreten hatten, schloss er hinter ihr die Türe.
"Setzen Sie sich doch bitte!", stammelte er und wies auf einen der Ledersessel vor dem mächtigen Schreibtisch. Amy hasste es auf der Couch zu liegen und Dr. Steinfled begrüßte das, denn so konnte sie ihn im Extremfall nicht einfach anfallen. Dafür war die Tischplatte einfach zu breit.
Beide nahmen Platz, er hinter und sie vor dem mächtigen Schreibtisch. Dr. Steinfeld ließ Amys dicke Akte auf die Tischplatte knallen und lehnte sich dann in seinem Sessel zurück.
"Nun Mrs. Parker? Können wir beginnen?", brach er die Stille.
"Ja.", antwortete sie knapp.
"Gut..." Dr. Steinfeld atmete noch einmal tief durch, dann nahm er seine gewohnte Position ein. Seine Unterarme auf der Tischplatte liegend verschränkte er die Finger, während der Rest seines Körpers aufrecht im Stuhl saß. Seine Augen fixierten die von Amy und wie in einem Kaleidoskop suchte er im Ausdruck ihrer Augen einen Hinweis. Und da war er!
"Was ist heute morgen passiert, Amy? Und jetzt kommen sie mir nicht wieder mit: Nichts! Was ist heute morgen passiert, dass sie sogar wütend geworden sind?", begann er.
Sofort weiteten sich Amys Augen. Verdammt, sie hatte vergessen wie gut er war. Ihr Blick senkte sich wieder, doch ihre Miene blieb starr und unangetastet.
"ER war da, nicht wahr?" Dr. Steinfeld musste nun endlich die Karten auf den Tisch legen.
Amy sah ihn gespielt verwirrt an, doch Dr. Steinfeld wusste, dass sie eine gute Schauspielerin war.
"Spielen Sie mir doch nichts vor, Amy! Was ist passiert? Sie können ruhig zugeben, dass es IHN gibt! Ich hatte schon länger die Vermutung...", fügte er hinzu, verstummte aber dann, als Amys Miene entgleiste und Dr. Steinfeld die Luft wegblieb. Das war ER! ER war wieder aktiv, jener absolut fremde Teil.
Gleichzeitig jubelte ein Teil in ihm, denn nun wusste er, dass er an der rechten Stelle bohrte. Schnell nahm er wieder seine selbstsichere Position und innere Ruhe ein.
Während Dr. Steinfeld innerlich jubilierte, führte Amy einen Blitzkrieg mit Damien.
"Halt die Schnauze, Damien!", schrie ihr ICH Damien an.
"Vergiss es, er hat mich herausgefordert! Wenn er von mir weiß, werde ich ihn töten!"
"Nix da! Vergiss das mal ganz schnell! Ich sage, wenn es so weit ist, nicht du!"
"Du verstehst das nicht! Wenn er von mir weiß, dann wird er versuchen uns zu trennen!"
Da kam Amy auf einmal die Idee, doch sie ließ sich nichts anmerken und antwortete:
"Das wird er nie schaffen! Da kannst du dir sicher sein! Und jetzt beruhig dich wieder!"
Doch Damien blieb schmollend und schlug innerlich gegen die Gitter, die er bei Dr. Steinfeld nicht verlassen durfte. Amy hatte den Befehl gegeben und so saß er hier fest. Doch ebenso wie Amy Damien verheimlichte, dass sie in Steinfeld eine Lösung sah, ebenso verheimlichte Damien Amy, dass es ihm keinerlei Mühe machen würde aus dem Gitter auszubrechen und diesem vorlauten Doktor den Hals umzudrehen, ehe Amy etwas merken würde.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Do 04 Aug 2011, 07:29

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika

Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
-------------------------------------------------Beringar

Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres schwarz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
--------------------------Somika

Die Fahrt dauerte 40 Minuten an, ehe der Chauffeur die schwere Limousine in eine Tiefgarageneinfahrt manövrierte.
Im Haus mit der Nummer Sieben residierte Dr. Joshua Steinfeld im 2. Stock eines gegenüber dem Stadtpark gelegenen Bürokomplexes. Neben Maklern, Notaren und Rechtsanwälten sowie einem Labor für Zahnmedizin empfand man seine Praxis als unauffällig. Der herrliche Blick ins Grün durch das großzügige Panoramafenster brachte mancher gestressten Seele eine innere Ruhe zurück. Heute lagen die Dinge differenzierter. Dr. Steinfeld erwartete seine schwierigste Patientin, Amy Parker. Nicht alleine ihr Auftreten als reiche unausstehliche High Society Lady wirkte auf andere Menschen abstoßend, sondern der tatsächlich Zustand ihres Seelenheils bereitete ihm Sorgen. Das Gehabe konnte als Fassade seinem geschulten Wissen und der Erfahrung vieler Jahre zwar in einer beeindruckenden Weise standhalten, aber ihr tiefer sitzenden Aggressionen ängstigten ihn zeitweise. Wenn ein Termin mit ihr anstand, saß er mit der Patientenakte eine geschlagene Stunde im Voraus an seinem Schreibtisch. Die Protokolle schwankten zwischen Wutbewältigung, sexuellem Frust und einer Abneigung, engere Beziehungen aufbauen zu wollen. Und dann war da ein weiterer Punkt. Vor jedem Treffen stolperte Steinfeld über seine Randnotizen. Aus ihnen las er eine Sache deutlich heraus, die zu noch größerer Beunruhigung Anlass gab. Es ereigneten sich Situationen, in welchen er glaubte, mit einer zweiten Person zu sprechen. Und auf eine ihm unbekannte Art verhinderte seine Patientin, dass er das Gespräch gezielt auf diesen Umstand führte. Heute wollte er es auf eine direktere Weise angehen. Er musste die Sitzung mit diesem Punkt eröffnen, musste sie von Beginn an damit konfrontieren.
-------------------------------------------------Beringar

Als die Türe zu seiner Praxis mit einem süßem 'Dingdong' aufging, schien er förmlich die Kälte zu spüren, die mit der Person in den Raum trat. Jene Person trat an den Schalter und als sie ihre Stimme erhob, musste Dr. Steinfeld automatisch schlucken. Teilweise hatte er Angst andererseits war er viel zu neugierig und aufgeregt. Wie ein Verbrecher spähte er durch den Spalt seiner Behandlungszimmertüre hinaus in den Warte- und Empfangsraum. Da stand sie! Ihre Haltung erinnerte an eine Königin, nein Göttin, aus alten Zeiten. Doch ihre Augen strahlten nur Verachtung und Hochmut aus. Während sie darauf wartete, dass ihr die Empfangsdame ihre Krankenkarte wieder zurückgab, sah sie sich im Raum um. Erleichtert schnaufte Dr. Steinfeld aus, als sie den Spalt in seiner Türe und sein Gesicht mit den großen Augen darin, nicht erkannt hatte. Aber plötzlich, kaum hatte er diesen Gedanken zueende gedacht, da schnellte ihr Kopf herum und zwei erbarmungslose Augen funkelten ihn direkt an. Unweigerlich lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Die Empfangsdame unterbrach Amy, in dem sie ihr einen Platz im Wartezimmer anbot und ihr die Krankenkarte aushändigte. Wortlos nahm Amy die Karte und ließ sich langsam auf einen der bequemen Wartezimmerstühle sinken.
Schnell schloss Dr. Steinfeld wieder die Türe und holte erst einmal tief Luft. Dann richtete er noch einmal seinen Hemdkragen zurecht und trat dann als selbstbewusster Doktor aus der Türe.
"Guten Morgen, Amy! Wie geht es uns?", begrüßte er seine Patientin und hielt ihr die Hand hin.
In dem Moment wäre er am liebsten gestorben. Langsam hob sie ihren Blick zu ihm auf und blickte ihn wortlos mit einer Kühle an, dass Dr. Steinfeld fast eine Gänsehaut bekam. Er nahm die Hand wieder herunter und zeigte Amy wortlos an, ihm zu folgen.
Als sie das Zimmer mit der großen Couch und dem mächtigen Schreibtisch betreten hatten, schloss er hinter ihr die Türe.
"Setzen Sie sich doch bitte!", stammelte er und wies auf einen der Ledersessel vor dem mächtigen Schreibtisch. Amy hasste es auf der Couch zu liegen und Dr. Steinfled begrüßte das, denn so konnte sie ihn im Extremfall nicht einfach anfallen. Dafür war die Tischplatte einfach zu breit.
Beide nahmen Platz, er hinter und sie vor dem mächtigen Schreibtisch. Dr. Steinfeld ließ Amys dicke Akte auf die Tischplatte knallen und lehnte sich dann in seinem Sessel zurück.
"Nun Mrs. Parker? Können wir beginnen?", brach er die Stille.
"Ja.", antwortete sie knapp.
"Gut..." Dr. Steinfeld atmete noch einmal tief durch, dann nahm er seine gewohnte Position ein. Seine Unterarme auf der Tischplatte liegend verschränkte er die Finger, während der Rest seines Körpers aufrecht im Stuhl saß. Seine Augen fixierten die von Amy und wie in einem Kaleidoskop suchte er im Ausdruck ihrer Augen einen Hinweis. Und da war er!
"Was ist heute morgen passiert, Amy? Und jetzt kommen sie mir nicht wieder mit: Nichts! Was ist heute morgen passiert, dass sie sogar wütend geworden sind?", begann er.
Sofort weiteten sich Amys Augen. Verdammt, sie hatte vergessen wie gut er war. Ihr Blick senkte sich wieder, doch ihre Miene blieb starr und unangetastet.
"ER war da, nicht wahr?" Dr. Steinfeld musste nun endlich die Karten auf den Tisch legen.
Amy sah ihn gespielt verwirrt an, doch Dr. Steinfeld wusste, dass sie eine gute Schauspielerin war.
"Spielen Sie mir doch nichts vor, Amy! Was ist passiert? Sie können ruhig zugeben, dass es IHN gibt! Ich hatte schon länger die Vermutung...", fügte er hinzu, verstummte aber dann, als Amys Miene entgleiste und Dr. Steinfeld die Luft wegblieb. Das war ER! ER war wieder aktiv, jener absolut fremde Teil.
Gleichzeitig jubelte ein Teil in ihm, denn nun wusste er, dass er an der rechten Stelle bohrte. Schnell nahm er wieder seine selbstsichere Position und innere Ruhe ein.
Während Dr. Steinfeld innerlich jubilierte, führte Amy einen Blitzkrieg mit Damien.
"Halt die Schnauze, Damien!", schrie ihr ICH Damien an.
"Vergiss es, er hat mich herausgefordert! Wenn er von mir weiß, werde ich ihn töten!"
"Nix da! Vergiss das mal ganz schnell! Ich sage, wenn es so weit ist, nicht du!"
"Du verstehst das nicht! Wenn er von mir weiß, dann wird er versuchen uns zu trennen!"
Da kam Amy auf einmal die Idee, doch sie ließ sich nichts anmerken und antwortete:
"Das wird er nie schaffen! Da kannst du dir sicher sein! Und jetzt beruhig dich wieder!"
Doch Damien blieb schmollend und schlug innerlich gegen die Gitter, die er bei Dr. Steinfeld nicht verlassen durfte. Amy hatte den Befehl gegeben und so saß er hier fest. Doch ebenso wie Amy Damien verheimlichte, dass sie in Steinfeld eine Lösung sah, ebenso verheimlichte Damien Amy, dass es ihm keinerlei Mühe machen würde aus dem Gitter auszubrechen und diesem vorlauten Doktor den Hals umzudrehen, ehe Amy etwas merken würde.
------------------------------------Somika

Diese Empfand mit einem Mal eine Unschlüssigkeit. Sie durfte unter keinen Umständen alle Karten auf den Tisch legen. Die Informationen mussten verdeckt und häppchenweise präsentiert werden. Aber wie konnte sie dies bewerkstelligen, ohne dass es Damien verstand und diesem Steinfeld einhergehend ein Licht aufging. Gut, er glaubte, ES zu wissen. In Wahrheit kannte er gerade mal das berühmte Zehntel des Eisbergs über Wasser. In seinem Fachchinesisch schrieb er mit Bestimmtheit was in der Art von schizophrener Besessenheit. Nein, sie musste ihm gegenüber weiterhin kratzbürstig und unnahbar wirken.
„Was fällt Ihnen ein? Das Einzige, was mich wütend macht, ist die Tatsache, an dieser verdammten Therapie teilnehmen zu müssen.“ Das Müssen bezog sich auf dieses unsägliche Gerichtsurteil, sich nachweislich eine Psychotherapie zu unterziehen. Und das alles, weil sie eine Kellnerin zurecht wies. Zugegeben zeugte ihre damalige Wortwahl nicht gerade von guten Manieren. In Wahrheit hatte Damien sie aufgehetzt. Wie stark ihre Abneigung gegen dieses Urteil auch war, bot es jetzt eine ungeahnte Chance.
Dieser Umstand wurde Dr. Steinfeld zum Verhängnis. Ein flüchtiger Augenblick genügte. Damien spürte die kurze Veränderung in Amys Gedanken. Eine emotionale Regung, welche er im Keim ersticken musste. Steinfeld saß selbstsicher wirkend an seinem Schreibtisch, als das Unheil ohne Vorwarnung über ihn kam. Der Dämon schoss aus Amy mit einer Intensität heraus, dass es sie keuchend nach vorne warf. Schmerzhaft prallte sie auf der eine historische Landkarte zeigenden Schreibtischunterlage auf. Dank dieser Vehemenz wurden Steinfeld Utensilien auf und durcheinander gewirbelt. Der Psychologe sah sich in der Zwischenzeit mit einem anderen Problem konfrontiert. Zwei Hände eines ihm unbekannten Wesens mit glühenden Augen umfassten seinen Hals. Für den ersten Moment glaubte er an eine Täuschung seiner Sinne, bi ihm der Beginn einer Sehschwäche die Gefahr de Situation bewusst machte. Er drohte zu ersticken. Mit einem lauten Schlag fuhr der Sessel zu Boden, als Steinfeld sich in seiner Verzweiflung aufrichtete und nach hinten stolperte.
Der Lärm rief die Empfangsdame auf den Plan, die ihrerseits im Vorzimmer aufsprang und zur Tür des Therapieraums stürzte. Noch bevor sie die Klinke herunterdrücken konnte, zog Damien mit einer lässigen Handbewegung den Stuhl, auf dem gerade noch Amy saß, wie an unsichtbaren Fäden als Sperre davor.
„Dr. Steinfeld? Dr. Steinfeld? Um Himmels willen…“ Verzweifelt weil erfolglos rüttelte die Mitarbeiterin an der Klinke.
Die kurze Ablenkung ließ Damien den Griff lockern und Steinfeld kam zu Atem. Sekunden später ging die Tortur weiter. Damien zog erneut beide Hände an und drückte den in seinen Augen wertlosen Psychoklempner gegen das große Fenster. Und gerade, als Schwärze in Steinfelds Empfindungen die Überhand zu gewinnen drohte, besann sich Amy der Lage. Mit einem trotzigen Aufschrei umklammerte sie ihrerseits den Hals Damien mit einem Arm und drückte ihm parallel die Hand mit dem Vertragsmal gegen die Schläfe. Er schien verwirrt, schrie kurz auf und ließ von seinem Opfer ab.
„Du schwachsinniger Idiot. Willst du den Vertrag brechen, jetzt und hier? Versuch es und ich brenne dir die Aufhebung in den Schädel.“
Der Schmerz und die inakzeptable Tatsache, sich beugen zu müssen, wirkten derart beleidigend auf Damien, sodass er mit wütender verbaler Äußerung sofort verschwand. Amy sank kraftlos zusammen. Trotz der eigenen Probleme stolperte Steinfeld ihr helfend zur Seite.
„Lassen Sie mich! Oder wollen Sie, das Schlimmeres passiert?“ Ungestüm schnappte sie ihre exklusive Pradehandtasche, riss den Stuhl zur Seite und stürmte an der aufgelösten Assistentin vorbei.
„Oh mein Gott. Soll ich die Polizei informieren? Dr. Steinfeld?“
Langsam registrierte der Psychologe, dass man ihn ansprach. „Nein, das ist nicht nötig. Bitte lassen Sie mich jetzt alleine. Das muss ich in Ruhe verdauen.“
Verwirrt tat sie wie geheißen und schloss die Tür leise hinter sich. Steinfeld stand vor seinem Schreibtisch, auf welchem zuvor seine Patientin unsanft landete. In seiner Hand hielt er einen Zettel mit einer kurzen Notiz. Die Handschrift verriet Angst, als die wenigen Worte niedergeschrieben wurde: Helfen Sie mir! Er wird von Tag zu Tag unberechenbarer. Amy.
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Do 04 Aug 2011, 11:30

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika

Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
-------------------------------------------------Beringar

Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
-------------------------------------------------Beringar

Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres schwarz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
--------------------------Somika

Die Fahrt dauerte 40 Minuten an, ehe der Chauffeur die schwere Limousine in eine Tiefgarageneinfahrt manövrierte.
Im Haus mit der Nummer Sieben residierte Dr. Joshua Steinfeld im 2. Stock eines gegenüber dem Stadtpark gelegenen Bürokomplexes. Neben Maklern, Notaren und Rechtsanwälten sowie einem Labor für Zahnmedizin empfand man seine Praxis als unauffällig. Der herrliche Blick ins Grün durch das großzügige Panoramafenster brachte mancher gestressten Seele eine innere Ruhe zurück. Heute lagen die Dinge differenzierter. Dr. Steinfeld erwartete seine schwierigste Patientin, Amy Parker. Nicht alleine ihr Auftreten als reiche unausstehliche High Society Lady wirkte auf andere Menschen abstoßend, sondern der tatsächlich Zustand ihres Seelenheils bereitete ihm Sorgen. Das Gehabe konnte als Fassade seinem geschulten Wissen und der Erfahrung vieler Jahre zwar in einer beeindruckenden Weise standhalten, aber ihr tiefer sitzenden Aggressionen ängstigten ihn zeitweise. Wenn ein Termin mit ihr anstand, saß er mit der Patientenakte eine geschlagene Stunde im Voraus an seinem Schreibtisch. Die Protokolle schwankten zwischen Wutbewältigung, sexuellem Frust und einer Abneigung, engere Beziehungen aufbauen zu wollen. Und dann war da ein weiterer Punkt. Vor jedem Treffen stolperte Steinfeld über seine Randnotizen. Aus ihnen las er eine Sache deutlich heraus, die zu noch größerer Beunruhigung Anlass gab. Es ereigneten sich Situationen, in welchen er glaubte, mit einer zweiten Person zu sprechen. Und auf eine ihm unbekannte Art verhinderte seine Patientin, dass er das Gespräch gezielt auf diesen Umstand führte. Heute wollte er es auf eine direktere Weise angehen. Er musste die Sitzung mit diesem Punkt eröffnen, musste sie von Beginn an damit konfrontieren.
-------------------------------------------------Beringar

Als die Türe zu seiner Praxis mit einem süßem 'Dingdong' aufging, schien er förmlich die Kälte zu spüren, die mit der Person in den Raum trat. Jene Person trat an den Schalter und als sie ihre Stimme erhob, musste Dr. Steinfeld automatisch schlucken. Teilweise hatte er Angst andererseits war er viel zu neugierig und aufgeregt. Wie ein Verbrecher spähte er durch den Spalt seiner Behandlungszimmertüre hinaus in den Warte- und Empfangsraum. Da stand sie! Ihre Haltung erinnerte an eine Königin, nein Göttin, aus alten Zeiten. Doch ihre Augen strahlten nur Verachtung und Hochmut aus. Während sie darauf wartete, dass ihr die Empfangsdame ihre Krankenkarte wieder zurückgab, sah sie sich im Raum um. Erleichtert schnaufte Dr. Steinfeld aus, als sie den Spalt in seiner Türe und sein Gesicht mit den großen Augen darin, nicht erkannt hatte. Aber plötzlich, kaum hatte er diesen Gedanken zueende gedacht, da schnellte ihr Kopf herum und zwei erbarmungslose Augen funkelten ihn direkt an. Unweigerlich lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Die Empfangsdame unterbrach Amy, in dem sie ihr einen Platz im Wartezimmer anbot und ihr die Krankenkarte aushändigte. Wortlos nahm Amy die Karte und ließ sich langsam auf einen der bequemen Wartezimmerstühle sinken.
Schnell schloss Dr. Steinfeld wieder die Türe und holte erst einmal tief Luft. Dann richtete er noch einmal seinen Hemdkragen zurecht und trat dann als selbstbewusster Doktor aus der Türe.
"Guten Morgen, Amy! Wie geht es uns?", begrüßte er seine Patientin und hielt ihr die Hand hin.
In dem Moment wäre er am liebsten gestorben. Langsam hob sie ihren Blick zu ihm auf und blickte ihn wortlos mit einer Kühle an, dass Dr. Steinfeld fast eine Gänsehaut bekam. Er nahm die Hand wieder herunter und zeigte Amy wortlos an, ihm zu folgen.
Als sie das Zimmer mit der großen Couch und dem mächtigen Schreibtisch betreten hatten, schloss er hinter ihr die Türe.
"Setzen Sie sich doch bitte!", stammelte er und wies auf einen der Ledersessel vor dem mächtigen Schreibtisch. Amy hasste es auf der Couch zu liegen und Dr. Steinfled begrüßte das, denn so konnte sie ihn im Extremfall nicht einfach anfallen. Dafür war die Tischplatte einfach zu breit.
Beide nahmen Platz, er hinter und sie vor dem mächtigen Schreibtisch. Dr. Steinfeld ließ Amys dicke Akte auf die Tischplatte knallen und lehnte sich dann in seinem Sessel zurück.
"Nun Mrs. Parker? Können wir beginnen?", brach er die Stille.
"Ja.", antwortete sie knapp.
"Gut..." Dr. Steinfeld atmete noch einmal tief durch, dann nahm er seine gewohnte Position ein. Seine Unterarme auf der Tischplatte liegend verschränkte er die Finger, während der Rest seines Körpers aufrecht im Stuhl saß. Seine Augen fixierten die von Amy und wie in einem Kaleidoskop suchte er im Ausdruck ihrer Augen einen Hinweis. Und da war er!
"Was ist heute morgen passiert, Amy? Und jetzt kommen sie mir nicht wieder mit: Nichts! Was ist heute morgen passiert, dass sie sogar wütend geworden sind?", begann er.
Sofort weiteten sich Amys Augen. Verdammt, sie hatte vergessen wie gut er war. Ihr Blick senkte sich wieder, doch ihre Miene blieb starr und unangetastet.
"ER war da, nicht wahr?" Dr. Steinfeld musste nun endlich die Karten auf den Tisch legen.
Amy sah ihn gespielt verwirrt an, doch Dr. Steinfeld wusste, dass sie eine gute Schauspielerin war.
"Spielen Sie mir doch nichts vor, Amy! Was ist passiert? Sie können ruhig zugeben, dass es IHN gibt! Ich hatte schon länger die Vermutung...", fügte er hinzu, verstummte aber dann, als Amys Miene entgleiste und Dr. Steinfeld die Luft wegblieb. Das war ER! ER war wieder aktiv, jener absolut fremde Teil.
Gleichzeitig jubelte ein Teil in ihm, denn nun wusste er, dass er an der rechten Stelle bohrte. Schnell nahm er wieder seine selbstsichere Position und innere Ruhe ein.
Während Dr. Steinfeld innerlich jubilierte, führte Amy einen Blitzkrieg mit Damien.
"Halt die Schnauze, Damien!", schrie ihr ICH Damien an.
"Vergiss es, er hat mich herausgefordert! Wenn er von mir weiß, werde ich ihn töten!"
"Nix da! Vergiss das mal ganz schnell! Ich sage, wenn es so weit ist, nicht du!"
"Du verstehst das nicht! Wenn er von mir weiß, dann wird er versuchen uns zu trennen!"
Da kam Amy auf einmal die Idee, doch sie ließ sich nichts anmerken und antwortete:
"Das wird er nie schaffen! Da kannst du dir sicher sein! Und jetzt beruhig dich wieder!"
Doch Damien blieb schmollend und schlug innerlich gegen die Gitter, die er bei Dr. Steinfeld nicht verlassen durfte. Amy hatte den Befehl gegeben und so saß er hier fest. Doch ebenso wie Amy Damien verheimlichte, dass sie in Steinfeld eine Lösung sah, ebenso verheimlichte Damien Amy, dass es ihm keinerlei Mühe machen würde aus dem Gitter auszubrechen und diesem vorlauten Doktor den Hals umzudrehen, ehe Amy etwas merken würde.
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Diese Empfand mit einem Mal eine Unschlüssigkeit. Sie durfte unter keinen Umständen alle Karten auf den Tisch legen. Die Informationen mussten verdeckt und häppchenweise präsentiert werden. Aber wie konnte sie dies bewerkstelligen, ohne dass es Damien verstand und diesem Steinfeld einhergehend ein Licht aufging. Gut, er glaubte, ES zu wissen. In Wahrheit kannte er gerade mal das berühmte Zehntel des Eisbergs über Wasser. In seinem Fachchinesisch schrieb er mit Bestimmtheit was in der Art von schizophrener Besessenheit. Nein, sie musste ihm gegenüber weiterhin kratzbürstig und unnahbar wirken.
„Was fällt Ihnen ein? Das Einzige, was mich wütend macht, ist die Tatsache, an dieser verdammten Therapie teilnehmen zu müssen.“ Das Müssen bezog sich auf dieses unsägliche Gerichtsurteil, sich nachweislich eine Psychotherapie zu unterziehen. Und das alles, weil sie eine Kellnerin zurecht wies. Zugegeben zeugte ihre damalige Wortwahl nicht gerade von guten Manieren. In Wahrheit hatte Damien sie aufgehetzt. Wie stark ihre Abneigung gegen dieses Urteil auch war, bot es jetzt eine ungeahnte Chance.
Dieser Umstand wurde Dr. Steinfeld zum Verhängnis. Ein flüchtiger Augenblick genügte. Damien spürte die kurze Veränderung in Amys Gedanken. Eine emotionale Regung, welche er im Keim ersticken musste. Steinfeld saß selbstsicher wirkend an seinem Schreibtisch, als das Unheil ohne Vorwarnung über ihn kam. Der Dämon schoss aus Amy mit einer Intensität heraus, dass es sie keuchend nach vorne warf. Schmerzhaft prallte sie auf der eine historische Landkarte zeigenden Schreibtischunterlage auf. Dank dieser Vehemenz wurden Steinfeld Utensilien auf und durcheinander gewirbelt. Der Psychologe sah sich in der Zwischenzeit mit einem anderen Problem konfrontiert. Zwei Hände eines ihm unbekannten Wesens mit glühenden Augen umfassten seinen Hals. Für den ersten Moment glaubte er an eine Täuschung seiner Sinne, bis ihm der Beginn einer Sehschwäche die Gefahr der Situation bewusst machte. Er drohte zu ersticken. Mit einem lauten Schlag fuhr der Sessel zu Boden, als Steinfeld sich in seiner Verzweiflung aufrichtete und nach hinten stolperte.
Der Lärm rief die Empfangsdame auf den Plan, die ihrerseits im Vorzimmer aufsprang und zur Tür des Therapieraums stürzte. Noch bevor sie die Klinke herunterdrücken konnte, zog Damien mit einer lässigen Handbewegung den Stuhl, auf dem gerade noch Amy saß, wie an unsichtbaren Fäden als Sperre davor.
„Dr. Steinfeld? Dr. Steinfeld? Um Himmels willen…“ Verzweifelt weil erfolglos rüttelte die Mitarbeiterin an der Klinke.
Die kurze Ablenkung ließ Damien den Griff lockern und Steinfeld kam zu Atem. Sekunden später ging die Tortur weiter. Damien zog erneut beide Hände an und drückte den in seinen Augen wertlosen Psychoklempner gegen das große Fenster. Und gerade, als Schwärze in Steinfelds Empfindungen die Überhand zu gewinnen drohte, besann sich Amy der Lage. Mit einem trotzigen Aufschrei umklammerte sie ihrerseits den Hals Damiens mit einem Arm und drückte ihm parallel die Hand mit dem Vertragsmal gegen die Schläfe. Er schien verwirrt, schrie kurz auf und ließ von seinem Opfer ab.
„Du schwachsinniger Idiot. Willst du den Vertrag brechen, jetzt und hier? Versuch es und ich brenne dir die Aufhebung in den Schädel.“
Der Schmerz und die inakzeptable Tatsache, sich beugen zu müssen, wirkten derart beleidigend auf Damien, sodass er mit wütender verbaler Äußerung sofort verschwand. Amy sank kraftlos zusammen. Trotz der eigenen Probleme stolperte Steinfeld ihr helfend zur Seite.
„Lassen Sie mich! Oder wollen Sie, dass Schlimmeres passiert?“ Ungestüm schnappte sie ihre exklusive Pradahandtasche, riss den Stuhl zur Seite und stürmte an der aufgelösten Assistentin vorbei.
„Oh mein Gott. Soll ich die Polizei informieren? Dr. Steinfeld?“
Langsam registrierte der Psychologe, dass man ihn ansprach. „Nein, das ist nicht nötig. Bitte lassen Sie mich jetzt alleine. Das muss ich in Ruhe verdauen.“
Verwirrt tat sie wie geheißen und schloss die Tür leise hinter sich. Steinfeld stand vor seinem Schreibtisch, auf welchem zuvor seine Patientin unsanft landete. In seiner Hand hielt er einen Zettel mit einer kurzen Notiz. Die Handschrift verriet Angst, als die wenigen Worte niedergeschrieben wurde: Helfen Sie mir! Er wird von Tag zu Tag unberechenbarer. Amy.
-------------------------------------------------Beringar

Wie ein wütender Orkan stürmte Amy aus dem Gebäude und zu ihrem Wagen. Zur Ablenkung von all der Aufregung warf sie einen Blick auf ihre teure Uhr. 10:34 Uhr zeigte sie an. Vor dem Wagen blieb Amy noch einmal stehen, rückte ihre Kleidung zurecht und warf ihre Haare über ihre Schulter. Ein lauter Seufzer entfuhr ihrer Kehle. Die kühle Luft tat ihr unsäglich gut. Das Gefühl, dass ihr alles zwischen den Fingern dahinfloss wie Sand, war einfach grässlich und Damien würde durch ihr Eingreifen auch nicht gerade ruhiger werden. Aber was hatte er sich erlaubt sich so etwas zu tun? Das würde noch Konsequenzen haben! So viel stand fest!
Mit erhobenem Haupt stieg sie in den schwarzen Schlitten.
"Zu Salems, Mrs.?", fragte der Chauffeur höflich und genau so extrem sachlich, wie Amy es liebte.
"Ja, fahren Sie zu Salems! Ich habe Hunger!", antwortete sie. Der Chauffeur warf einen vorsichtigen Blick durch den Spiegel auf Amy. Ihr Antwort war ungewohnt freundlich und klang auch gar nicht so barsch wie sonst. Doch dann wandte er sich trotzdem ab und fuhr an.
Nach knapp zehn Minuten Fahrt durch die Innenstadt erreichte der Wagen das teure Luxusrestaurant Salems, Amys Lieblingsrestaurant. Als Amy ausgestiegen war sah sie noch einmal auf die Uhr, perfekte Zeit für einen üppigen Brunch.
---------------------------Somika
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BeitragThema: Re: Der Kampf in mir   Fr 05 Aug 2011, 08:27

Der Kampf in mir

An jenem verschneiten Wintertag hatte Amy mit nur einem Wort ihr Leben aus den Angeln gehoben. "Ja", hatte sie damals jenem überirdischen Wesen geantwortet, als es ihr die entscheidende Frage stellte. Sie wollte sich damals an jenem Tag das Leben nehmen. Sie wollte sich von all dem Leid erlösen, dass ihr bisher widerfahren war. Doch als sie dort auf der Brücke gestanden hatte, vernahm sie plötzlich eine Stimme. Eine Stimme, welche ihr versprach alles zu verändern. Damals verkaufte Amy ihre Seele an jenen hämisch grinsenden Teufel, um sich an jenen zu rächen, welche ihr all dies Leid angetan hatten. Und bis heute, fünf Jahre danach, hatte sich ihre Mission nicht erfüllt. Seit fünf Jahren beherbergte diese junge Frau den Dämon, dem sie an jenem Tag den Namen Damien gab. In diesen fünf Jahren war sehr viel passiert. Aus dem unscheinbaren und einfachen Mädchen war eine reiche und angesehene junge Dame geworden. Ein Leben voller Luxus als Gegenleistung für ihre Seele.
Es war ein einfacher Tag, als Amy bemerkte, wie Damien ungeduldig wurde, wie er danach verlangte endlich Amys Seele zu fressen.
Amy war an diesem Tag schon früh aufgestanden. Jenes rastlose Gefühl hatte sich über Nacht nicht gelegt. Mürrisch stand sie auf und sah in den Spiegel. Wie üblich erschien neben ihrem blassen Gesicht im Spiegel, Damiens geheimnisvolles Angesicht. Er sah nie in den Spiegel, immer nur knapp daran vorbei, trotzdem konnte Amy ihn deutlich erkennen.
"Schau nicht so! Was ist denn los?", fragte sie und sah ihn durch den Spiegel forschend an.
---------------------------------Somika

Eine Antwort blieb aus. Gewiss verhalf ihr seine pure Anwesenheit zu ihrer jetzigen Stellung in einer Gesellschaft, die sie im Grunde hasste. Im Gegenzug erhielt sie in ihrem frühren Leben Verachtung, welche Amy heutzutage jedem entgegenbrachte, der sich im Rang unter ihr befand. Aus ihr wurde jene Art Mensch, der sie zu dieser Verzweiflung trieb. Ein Pakt mit einem Dämon. Unsinnig! Dass eine solche Übereinkunft am Ende einseitig in einem Desaster enden würde, wusste sie tief in ihrem Inneren. Damien ließ nicht mit sich verfahren, wie sie es gerne sah. Zwar konnte sie seinen Drang nach mehr Zerstörung zurückhalten, aber dies fand seine Begründung eher in der Tatsache, dass sie ein Stück weit einen gemeinsamen Pfad betraten. Jetzt, da sich mit zunehmendem Aufkommen ihres neuen luxuriösen Lebens eine nicht zu leugnende Bequemlichkeit vor die Missions setzte, stiegen die Schwierigkeiten, ihn an der endgültigen Übernahme ihrer Seele zu hindern. Sollte dies geschehen, würde aus dem Menschen Amy eine unberechenbare Gefahr für jeden, der ihr dann in die Quere kam.
Besaß sie Reue für die Taten der vergangenen Jahre, Reue für ihre ausgelebte Rache? Nein. Sollte sie diese nicht entwickeln? Erste Zweifel regten sich seit einiger Zeit in ihr, die dem Dämon nicht verborgen blieben. Er verlangte nach der gewissenlosen von Schmerz angetriebenen Amy zurück. Und dazu verfolgte er einen Plan.
--------------------------------------------------------Beringar

Amy sah Damien noch eine Weile forschend an, dann wandte sie sich wieder ihrem Spiegelbild zu. Ihr Blick schweifte kurz über die ordentlich unter dem Spiegel aufgereihten Döschen und Stifte von Make-up. Eine Weile stand sie einfach stumm und reglos vor dem Spiegel, während Damien hinter ihr immer nervöser wurde.
"Na los!", brummt er kaum hörbar und verschwand durch die offenstehende Zimmertüre hinaus in den Gang. Zugegebenermaßen war es unnormal, dass sich ein Dämon von seinem Wirt trennen konnte, doch Damien war ein besonderer Dämon, das hatte Amy schon früh gemerkt. Neben seinen normalen Tätigkeiten und Arbeiten, nämlich Amy jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie zu erfüllen, legte er eine sonderbare Kreativität und Eigenwilligkeit an den Tag. Vielleicht war dies der Grund, warum er manchmal als fast transparenter Kerl durch die Wohnung streifte, wenn es ihm zu langweilig wurde.
Amy seufzte laut und folgte Damien dann hinunter in die teuer eingerichtete Küche.
-------------------------------------------------Somika

Auf halbem Weg blieb sie stehen und starrte auf das hässliche über Augenhöhe hängende Bild. Hierauf verewigte sich ein abstrakter Maler mit der Karikatur einer Landschaft. Grüner Himmel, rote Bäume und das Wasser in einem beleidigenden Umbra gehalten, trieben ihr, seit sie es erwarb, die Zornesröte ins Gesicht. Als sie es bei einer Auktion entdeckte, musste sie es um jeden Preis besitzen. Nicht weil es ihr gefiel, sondern weil es einen anderen Interessenten gab. Jemanden, der auf ihrer Liste stand. Jemand, der sie nach ihrer Wandlung zum reichen Schwan nicht mehr erkannte. Und der jetzt auf dem Grund eines Tümpels, dessen Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bild aufwies, langsam von Kleinstlebewesen zersetzt wurde. Ein grotesker Gedanke. Im Grunde stellte dieses Kunstwerk ein Mahnmal an ihre Tat dar.
Lautes Scheppern und Zersplittern von Glas drang an Amys Ohren und brachte sie zurück in die Realität. Oder den Wahnsinn ihres neuen Alltags. Beunruhigt kehrte sie auf dem Absatz herum, bog in den sich anschließenden Gang und stand dann nach ein paar Metern vor der großzügig bemessenen Küchenzeile. Wäre sie bereits geschminkt, hätte es ihr selbige umgehend aus dem Gesicht getrieben. Vor ihr lag ein heilloses Durcheinander aus Töpfen, Pfannen und Gläsern jeder Art garniert mit dem Inhalt zweier Besteckschubladen. In einer Ecke erkannte sie den schemenhaften Umriss von Damien.
„Was hast du getan?“ Ihre Stimme überschlug sich unüberhörbar.
-------------------------------------------------Beringar

Sofort blieb Damien wie erstarrt stehen und drehte dann seinen Kopf in Amys Richtung. Als er so über die Schulter blickte, waren seine Augen vor Wildheit flammend rot und sein Gesichtsausdruck wie der eines Wahnsinnigen, den man aus seiner Trance gerissen hatte.
"Damien!", brüllte Amy nun, kam auf ihn zugerannt und packte ihn an der Schulter. Mit aller Kraft versuchte sie ihn daran herumzureißen. Verwirrt und wütend starrte sie Damien in seine wilden Augen. Doch Damien förmlich durch sie hindurch.
"Damien! Was ist mit dir los in letzter Zeit? Es läuft doch alles so super!", warf Amy ihm vor und gab ihm einen kleinen Schupser. Damien wehrte sich nicht, torkelte einige Schritte rückwärts und fing sich dann wieder.
"Ich will dich!", flüsterte er kaum hörbar und nahm eine sonderbare Haltung ein, als würde er etwas bedrohliches angreifen wollen.
"Wie bitte?", quiekte Amy und hätte ihm am liebsten eine gelangt. Doch selbst wenn Damien kein Ungreifbarer gewesen wäre, hätte sie diesen Schlag nie zu ende führen können, denn auf einmal schnellte Damien nach vorne und stürzte sich auf Amy.
Jegliche Luft wich aus Amys Lungen, als sie mit dem Rücken auf den harten Boden krachte und sich Damien über sie kniete.
-------------------Somika

Ihr Herz pochte unerträglich. Das Gefühl, es könne jeden Augenblick aus dem Brustkorb platzen, stieg. Neben der gefühlten Panik mischte sich Verwirrtheit. Was meinte er mit er wolle sie? Wäre ihr Gegenüber ein Mensch, verstünde Amy diese Aussage im Bezug auf ein körperliches Verlangen deutlich. Aber im Falle Damiens? Gewiss konnte sein Gebären ebenso eindeutig aufgefaßt werden. Ihr fehlte zur Lösung der Zweck seiner Absichten. Sollte hinter ihrem Jawort von vor fünf Jahren mehr stecken, als ihr seither bewußt wurde? Kam es darauf jetzt noch an? Nein, kampflos wollte sie sich ihm nicht hingeben. Damit wäre sie in ihrer Entwicklung zurück an dem Tag, als sie aus dem Leben scheiden wollte. Wie stellte er sich dies überhaupt vor? Er entstammte einer anderen Rasse. Unterschiede gab es zu Hauff. Und ging es ihm um profanen Spaß, seine Macht auszuüben oder stand am Ende ein bestimmtes Ziel.
Er hielt inne und Amy überkamen Zweifel, seine Absichten richtig gedeutet zu haben.
-------------------------------------------------Beringar

Amy sah zu Damien auf, der nun über ihr kniete und sie schweigend und mit wildem Blick ansah.
"Was soll das bedeuten?", fragte sie ihn in einem leicht herablassenden Ton, der überhaupt nicht zu ihrer Situation passte. Doch Damien schien es nicht einmal gehört zu haben, denn sein Blick blieb starr und voller Wahnsinn.
"Damien!" In Amys Stimme lag nun eine leichte Besorgnis und Mitgefühl, aber auch Verwirrung und Missverständnis.
Erst jetzt reagierte Damien. Er schloss seine Augen kurz, rieb sich mit einer Hand darüber, atmete panisch ein und aus und blickte dann zu Boden.
"Damien...", begann Amy und berührte ihn leicht am Arm. Sofort schreckte er auf und starrte sie verwirrt an. Ihr Gedanken beendeten den Satz: ...sag mir doch was los ist!
Damien öffnete seinen Mund und wollte etwas sagen, doch er blieb stumm. Langsam bewegte er sich und Amy glaubte erst, er würde nun einfach aufstehen und weggehen. Doch plötzlich lehnte Damien sich nach vorne, stützte sich mit den Unterarmen links und rechts von Amys Körper ab und senkte seinen Kopf bis hinunter zu dem von Amy.
"Ich will unbedingt deine Seele, Amy! Ich will das fühlen, was du fühlst! Ich will sie.", flüsterte er ihr leise ins Ohr und verschwand dann wie Nebel im Wind.
"Deine Seele ist sicher köstlich!", hörte sie Damiens Stimme hinter sich. Ruckartig stand Amy auf und sah sich suchend um. Damien saß entspannt auf einem der Barhocker an der Küchentheke und funkelte sie begierig an. Sie kam auf Damien zu und blieb auf der anderen Seite der Theke vor ihm stehen. Kurz hielt sie inne, dann hob sie ihre Hand und schlug Damien mit der flachen Hand auf die Wange.
"Halt dich an unsere Abmachung, Teufel, dann wirst du sie eines Tages bekommen! Und wage es bloß nicht, sie dir vorher anzueignen!", herrschte Amy ihn an, während ihr Gesichtsausdruck Wut und Ernst widerspiegelte.
------------------------Somika

Tief in ihrem Inneren, und es musste verdammt tief unten liegen, empfand sie jetzt eine gewisse Beleidigung. Auf der einen Seite froh, in missverstanden zu haben, störte sie sich an dem Umstand, dass ihm ihre Seele am wichtigsten war. Dass ihr Körper nicht begehrt wurde, schmerzte auf unheimliche Weise. Sie schallt sich einen Narren für ihre Gedanken. Ein weiteres Mal herrschte sie ihn an.
„Halt dich gefälligst an die Abmachung.“ Ihre Stimme klang in diesem flüchtigen Moment abfälliger, als sie es plante. Schnell wandte Amy sich ab und wollte den Raum verlassen. Damien schnellte ohne Warnung vor, drang von hinten direkt in ihren Körper ein und umklammerte schmerzhaft ihren Geist.
„Was denkst du, welche Forderungen dir zustehen? Keine!“
Amy stand paralysiert und für außenstehende Augen in einer unnatürlichen Haltung zwischen der Einrichtung ihrer Schränke. Das Rückrad bog sich gefährlich weit nach hinten durch. Sie fühlte ein Anspannen von Muskeln und Überdehnen von Sehnen, welche ihr bis heute unbekannt waren. Und Damien reizte seine Macht noch ein Stückweit mehr aus. Der erste Schrecken wich und in Amy wuchs Widerstand. Der menschliche Überlebenswille erwachte, als sie sich mit bestialischer Anstrengung leicht in die normale Richtung beugte. Der Dämon hielt dagegen. Die Rippenpartie ihrer linken Körperhälfte stob beängstigend weit heraus. Sie biss die Zähne zusammen, befahl ihren Knien, leicht einzuknicken und erreichte auf diese Weise den Stiel einer Pfanne. Schweiß trat aus sämtlichen Poren hervor. Eine Sekunde zu spät eröffnete sich Damien das Vorhaben seines Wirts. Amy ließ ihren Arm nach oben fahren und die Pfanne traf schmerzhaft auf ihre eigene Stirn. Die sofort einsetzende Besinnungslosigkeit trennte den Dämon von ihrem Geist und er musste sich zurückziehen. Der menschliche Körper sackte an Ort und Stelle schlaff zusammen. Die nächsten Stunden hatte sie Ruhe vor ihm.
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Als Amy mit rasenden Kopfschmerzen wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem kalten Fliesenboden der Küche. Mit Mühe schleppte sie sich in das riesige Wohnzimmer, wo sie sich auf eine Couch hiefte. Ihr gesamter Muskelapparat war verspannt und der stechende Schmerz in ihrem Kopf machte es nicht gerade besser. Langsam kamen ihr die Bilder vor ihrer Ohnmacht wieder in den Kopf.
"DAMIEEEEEEEEEEEEEEEEEN!!", brüllte sie, dass es durchs gesamte Haus hallte.
Unsägliche Wut breitete sich in ihr aus und das Herz in ihrer Brust brannte förmlich. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und ihr Gesicht vor Wut verzerrt.
"KOMM SOFORT HER!!!", schrie sie erneut. Dieses Mal spürte Amy eine Aktivität. Mit langsamen Schritten betrat Damien den Raum und blieb wenige Meter von der Türe entfernt im Raum stehen. Kein Wort entrann seinen Lippen. Sein Blick war ernst, jedoch ohne die erschreckende Wildheit und den Wahnsinn.
"Komm her!", befahl sie durch die zusammengebissenen Zähne. Langsam kam Damien näher und blieb vor ihr stehen, dann verbeugte er sich vor ihr wie ein Gentleman und begann: "Was kann ich für..."
In dem Moment wurde er am Hals gepackt und auf die Knie gezwungen. Sein Blick schnellte erschrocken hoch und er erkannte Amy, wie sie mit einer Hand (auf der wohl gemerkt das Mal ihres Vertrages stand) Damien zu Boden zwang. Damiens Augen weiteten sich und sein gesamter Körper spannte sich an.
"Wenn du es noch ein einziges Mal wagst, SO etwas zu tun, wirst du mich kennenlernen! Horch auf, Teufel! Du hast einen Vertrag mit mir abgeschlossen! Du weißt, was es heißt, wenn du dich nicht an die Regeln hältst!", herrschte sie ihn an, ihr Gesicht knapp vor seinem.
"Dann könntest du mich töten!", krächzte er noch immer in Amys Griff. Einen Augenblick sah Amy ihn noch ernst an, bevor sie ihn losließ und er zu Boden fiel. In dem Moment, in dem Amy ihn gepackt hatte, war sein Körper auf einmal nicht mehr so transparent, sondern fast materiell gewesen. Nun wurde er wieder zu einer Art Geist. Den Hals sanft mit einer Hand bedeckt hob Damien seinen Blick und sah Amy direkt in die Augen.
Ein Dämon hat vor nichts Angst, außer vor einem Herrn, den er nicht unter Kontrolle hat. Und das schien hier der Fall zu sein. Denn in Amys Augen sah Damien kein bisschen Mitleid oder Gnade.
"Schau mir nicht in die Augen, Teufel!", schrie Amy auf und verpasste ihm abermals einen Schlag mit der flachen Hand. Gehorsam senkte Damien seinen Blick und ließ seinen Kopf geneigt, bis er wieder aufrecht stand.
"Wie ihr wollt, Herrin!", gab er klein bei.
----------------------------------Somika

Diese Worte passten nicht zu seinen ureigensten Gedanken. Wenn er gewollt hätte, wäre sie jetzt ernsthaft verletzt. Und der Vertrag ginge den Bach runter. Die Selbstbeherrschung blieb die größte Herausforderung auf dem Weg eines erfolgreichen Abschlusses. Wie viele Seelen gingen aus Mangel an Disziplin der Hölle durch die Lappen? Und an die unerfreulichen Bestrafungen durch einen der Fürsten mochte er nicht denken. Für die nächste Zeit musste er einen Weg der gesunden Demut einschlagen. Mit schmeichelnden Worten wollte er sie weiter verführen. Je schneller sie ihre Liste, die Bestandteils des Vertrags war, abarbeitete, desto schneller kam er zum Ziel. Und wenn Damien die augenblickliche Situation genauer betrachtete, trieb ihm die Reaktion Amys ein Schmunzeln ins Gesicht. Wie sie gerade vor ihm stand, mit dieser unsagbaren Wut im Blick und dem Verlangen ihm Schläge zu verpassen, fragte er sich, wer von ihnen beiden das Dämonische in sich trug.
„Ich sehe, du hast verstanden.“ Selbstgefällig drehte sich Amy um, lief erhobenen Hauptes auf den Schrank zu und öffnete die dort verborgene Bar. Ohne lange zu überlegen, schnappte sie die Flasche mit Absinth. Zwei Gläser füllten sich zwei Finger breit mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Hier, ich mal nicht so sein.“ Auffordernd hielt sie Damien ein Glas hin. Er leerte es ohne weitere Reaktion in einem Zug und bedankte sich mit einem Nicken. Heute gab er ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Punkte erfüllt sein würden. Ihr neues Leben gefiel ihr, fand sich darin vieles einfacher. In einem vor Damien verschlossenen Raum ihres Unterbewusstseins wurde eine Konferenz einberufen. Diese sollte entscheiden, ob ihre Seite der Vertragserfüllung weit hinausgezögert werden musste oder man nach einem Weg suchen sollte, Damien ein für alle Mal loszuwerden.
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Es entstand eine hässliche Auseinandersetzung zwischen der Parteien und letztendlich ging man ohne Entscheidung auseinander.
Wenn ich eine Möglichkeit finde ohne Verluste Damien von mir zu lösen, werde ich sie ergreifen. Jedoch, wenn sich keine findet, muss ich mit der Erfüllung meiner Wünsche sparsam sein. Herauszögern kann ja nicht so schwer sein!, dachte sie sich und schenkte Damien ein unschuldiges Lächeln. Damien sah sie wie immer durch eine vollkommen reglose Maske hindurch an, doch innerlich runzelte er die Stirn und fragte sich, was Amy nur vorhatte. Da war Amy schon aufgesprungen und im Hausflur verschwunden.
Gehorsam wie ein Hund dackelte er ihr hinterher.

Nach knapp zwei Stunden stand Amy bereit in der Haustüre und schloss hinter sich ab. Tatsächlich mussten auch reiche Leute mal aus dem Haus. Heute stand ein Psychologenbesuch und eine Geschäftsratssitzung an. Die Zeit war perfekt um einen Psychologen mal wieder auf die Palme zu bringen. Nachdem die Türe abgeschlossen und Amy im Wagen saß, sah sie kurz auf die Uhr. 9:00 Uhr zeigte die teure Rolex for women an.
"Los fahren Sie schon!", gab sie dem Chauffeur bescheid und lehnte sich auf den Ledersitzen ihres schwarz, hochglanzpolierten Mercedes-Benz S-Klasse von Lorinser.
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Die Fahrt dauerte 40 Minuten an, ehe der Chauffeur die schwere Limousine in eine Tiefgarageneinfahrt manövrierte.
Im Haus mit der Nummer Sieben residierte Dr. Joshua Steinfeld im 2. Stock eines gegenüber dem Stadtpark gelegenen Bürokomplexes. Neben Maklern, Notaren und Rechtsanwälten sowie einem Labor für Zahnmedizin empfand man seine Praxis als unauffällig. Der herrliche Blick ins Grün durch das großzügige Panoramafenster brachte mancher gestressten Seele eine innere Ruhe zurück. Heute lagen die Dinge differenzierter. Dr. Steinfeld erwartete seine schwierigste Patientin, Amy Parker. Nicht alleine ihr Auftreten als reiche unausstehliche High Society Lady wirkte auf andere Menschen abstoßend, sondern der tatsächlich Zustand ihres Seelenheils bereitete ihm Sorgen. Das Gehabe konnte als Fassade seinem geschulten Wissen und der Erfahrung vieler Jahre zwar in einer beeindruckenden Weise standhalten, aber ihr tiefer sitzenden Aggressionen ängstigten ihn zeitweise. Wenn ein Termin mit ihr anstand, saß er mit der Patientenakte eine geschlagene Stunde im Voraus an seinem Schreibtisch. Die Protokolle schwankten zwischen Wutbewältigung, sexuellem Frust und einer Abneigung, engere Beziehungen aufbauen zu wollen. Und dann war da ein weiterer Punkt. Vor jedem Treffen stolperte Steinfeld über seine Randnotizen. Aus ihnen las er eine Sache deutlich heraus, die zu noch größerer Beunruhigung Anlass gab. Es ereigneten sich Situationen, in welchen er glaubte, mit einer zweiten Person zu sprechen. Und auf eine ihm unbekannte Art verhinderte seine Patientin, dass er das Gespräch gezielt auf diesen Umstand führte. Heute wollte er es auf eine direktere Weise angehen. Er musste die Sitzung mit diesem Punkt eröffnen, musste sie von Beginn an damit konfrontieren.
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Als die Türe zu seiner Praxis mit einem süßem 'Dingdong' aufging, schien er förmlich die Kälte zu spüren, die mit der Person in den Raum trat. Jene Person trat an den Schalter und als sie ihre Stimme erhob, musste Dr. Steinfeld automatisch schlucken. Teilweise hatte er Angst andererseits war er viel zu neugierig und aufgeregt. Wie ein Verbrecher spähte er durch den Spalt seiner Behandlungszimmertüre hinaus in den Warte- und Empfangsraum. Da stand sie! Ihre Haltung erinnerte an eine Königin, nein Göttin, aus alten Zeiten. Doch ihre Augen strahlten nur Verachtung und Hochmut aus. Während sie darauf wartete, dass ihr die Empfangsdame ihre Krankenkarte wieder zurückgab, sah sie sich im Raum um. Erleichtert schnaufte Dr. Steinfeld aus, als sie den Spalt in seiner Türe und sein Gesicht mit den großen Augen darin, nicht erkannt hatte. Aber plötzlich, kaum hatte er diesen Gedanken zueende gedacht, da schnellte ihr Kopf herum und zwei erbarmungslose Augen funkelten ihn direkt an. Unweigerlich lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Die Empfangsdame unterbrach Amy, in dem sie ihr einen Platz im Wartezimmer anbot und ihr die Krankenkarte aushändigte. Wortlos nahm Amy die Karte und ließ sich langsam auf einen der bequemen Wartezimmerstühle sinken.
Schnell schloss Dr. Steinfeld wieder die Türe und holte erst einmal tief Luft. Dann richtete er noch einmal seinen Hemdkragen zurecht und trat dann als selbstbewusster Doktor aus der Türe.
"Guten Morgen, Amy! Wie geht es uns?", begrüßte er seine Patientin und hielt ihr die Hand hin.
In dem Moment wäre er am liebsten gestorben. Langsam hob sie ihren Blick zu ihm auf und blickte ihn wortlos mit einer Kühle an, dass Dr. Steinfeld fast eine Gänsehaut bekam. Er nahm die Hand wieder herunter und zeigte Amy wortlos an, ihm zu folgen.
Als sie das Zimmer mit der großen Couch und dem mächtigen Schreibtisch betreten hatten, schloss er hinter ihr die Türe.
"Setzen Sie sich doch bitte!", stammelte er und wies auf einen der Ledersessel vor dem mächtigen Schreibtisch. Amy hasste es auf der Couch zu liegen und Dr. Steinfled begrüßte das, denn so konnte sie ihn im Extremfall nicht einfach anfallen. Dafür war die Tischplatte einfach zu breit.
Beide nahmen Platz, er hinter und sie vor dem mächtigen Schreibtisch. Dr. Steinfeld ließ Amys dicke Akte auf die Tischplatte knallen und lehnte sich dann in seinem Sessel zurück.
"Nun Mrs. Parker? Können wir beginnen?", brach er die Stille.
"Ja.", antwortete sie knapp.
"Gut..." Dr. Steinfeld atmete noch einmal tief durch, dann nahm er seine gewohnte Position ein. Seine Unterarme auf der Tischplatte liegend verschränkte er die Finger, während der Rest seines Körpers aufrecht im Stuhl saß. Seine Augen fixierten die von Amy und wie in einem Kaleidoskop suchte er im Ausdruck ihrer Augen einen Hinweis. Und da war er!
"Was ist heute morgen passiert, Amy? Und jetzt kommen sie mir nicht wieder mit: Nichts! Was ist heute morgen passiert, dass sie sogar wütend geworden sind?", begann er.
Sofort weiteten sich Amys Augen. Verdammt, sie hatte vergessen wie gut er war. Ihr Blick senkte sich wieder, doch ihre Miene blieb starr und unangetastet.
"ER war da, nicht wahr?" Dr. Steinfeld musste nun endlich die Karten auf den Tisch legen.
Amy sah ihn gespielt verwirrt an, doch Dr. Steinfeld wusste, dass sie eine gute Schauspielerin war.
"Spielen Sie mir doch nichts vor, Amy! Was ist passiert? Sie können ruhig zugeben, dass es IHN gibt! Ich hatte schon länger die Vermutung...", fügte er hinzu, verstummte aber dann, als Amys Miene entgleiste und Dr. Steinfeld die Luft wegblieb. Das war ER! ER war wieder aktiv, jener absolut fremde Teil.
Gleichzeitig jubelte ein Teil in ihm, denn nun wusste er, dass er an der rechten Stelle bohrte. Schnell nahm er wieder seine selbstsichere Position und innere Ruhe ein.
Während Dr. Steinfeld innerlich jubilierte, führte Amy einen Blitzkrieg mit Damien.
"Halt die Schnauze, Damien!", schrie ihr ICH Damien an.
"Vergiss es, er hat mich herausgefordert! Wenn er von mir weiß, werde ich ihn töten!"
"Nix da! Vergiss das mal ganz schnell! Ich sage, wenn es so weit ist, nicht du!"
"Du verstehst das nicht! Wenn er von mir weiß, dann wird er versuchen uns zu trennen!"
Da kam Amy auf einmal die Idee, doch sie ließ sich nichts anmerken und antwortete:
"Das wird er nie schaffen! Da kannst du dir sicher sein! Und jetzt beruhig dich wieder!"
Doch Damien blieb schmollend und schlug innerlich gegen die Gitter, die er bei Dr. Steinfeld nicht verlassen durfte. Amy hatte den Befehl gegeben und so saß er hier fest. Doch ebenso wie Amy Damien verheimlichte, dass sie in Steinfeld eine Lösung sah, ebenso verheimlichte Damien Amy, dass es ihm keinerlei Mühe machen würde aus dem Gitter auszubrechen und diesem vorlauten Doktor den Hals umzudrehen, ehe Amy etwas merken würde.
------------------------------------Somika

Diese Empfand mit einem Mal eine Unschlüssigkeit. Sie durfte unter keinen Umständen alle Karten auf den Tisch legen. Die Informationen mussten verdeckt und häppchenweise präsentiert werden. Aber wie konnte sie dies bewerkstelligen, ohne dass es Damien verstand und diesem Steinfeld einhergehend ein Licht aufging. Gut, er glaubte, ES zu wissen. In Wahrheit kannte er gerade mal das berühmte Zehntel des Eisbergs über Wasser. In seinem Fachchinesisch schrieb er mit Bestimmtheit was in der Art von schizophrener Besessenheit. Nein, sie musste ihm gegenüber weiterhin kratzbürstig und unnahbar wirken.
„Was fällt Ihnen ein? Das Einzige, was mich wütend macht, ist die Tatsache, an dieser verdammten Therapie teilnehmen zu müssen.“ Das Müssen bezog sich auf dieses unsägliche Gerichtsurteil, sich nachweislich eine Psychotherapie zu unterziehen. Und das alles, weil sie eine Kellnerin zurecht wies. Zugegeben zeugte ihre damalige Wortwahl nicht gerade von guten Manieren. In Wahrheit hatte Damien sie aufgehetzt. Wie stark ihre Abneigung gegen dieses Urteil auch war, bot es jetzt eine ungeahnte Chance.
Dieser Umstand wurde Dr. Steinfeld zum Verhängnis. Ein flüchtiger Augenblick genügte. Damien spürte die kurze Veränderung in Amys Gedanken. Eine emotionale Regung, welche er im Keim ersticken musste. Steinfeld saß selbstsicher wirkend an seinem Schreibtisch, als das Unheil ohne Vorwarnung über ihn kam. Der Dämon schoss aus Amy mit einer Intensität heraus, dass es sie keuchend nach vorne warf. Schmerzhaft prallte sie auf der eine historische Landkarte zeigenden Schreibtischunterlage auf. Dank dieser Vehemenz wurden Steinfeld Utensilien auf und durcheinander gewirbelt. Der Psychologe sah sich in der Zwischenzeit mit einem anderen Problem konfrontiert. Zwei Hände eines ihm unbekannten Wesens mit glühenden Augen umfassten seinen Hals. Für den ersten Moment glaubte er an eine Täuschung seiner Sinne, bis ihm der Beginn einer Sehschwäche die Gefahr der Situation bewusst machte. Er drohte zu ersticken. Mit einem lauten Schlag fuhr der Sessel zu Boden, als Steinfeld sich in seiner Verzweiflung aufrichtete und nach hinten stolperte.
Der Lärm rief die Empfangsdame auf den Plan, die ihrerseits im Vorzimmer aufsprang und zur Tür des Therapieraums stürzte. Noch bevor sie die Klinke herunterdrücken konnte, zog Damien mit einer lässigen Handbewegung den Stuhl, auf dem gerade noch Amy saß, wie an unsichtbaren Fäden als Sperre davor.
„Dr. Steinfeld? Dr. Steinfeld? Um Himmels willen…“ Verzweifelt weil erfolglos rüttelte die Mitarbeiterin an der Klinke.
Die kurze Ablenkung ließ Damien den Griff lockern und Steinfeld kam zu Atem. Sekunden später ging die Tortur weiter. Damien zog erneut beide Hände an und drückte den in seinen Augen wertlosen Psychoklempner gegen das große Fenster. Und gerade, als Schwärze in Steinfelds Empfindungen die Überhand zu gewinnen drohte, besann sich Amy der Lage. Mit einem trotzigen Aufschrei umklammerte sie ihrerseits den Hals Damiens mit einem Arm und drückte ihm parallel die Hand mit dem Vertragsmal gegen die Schläfe. Er schien verwirrt, schrie kurz auf und ließ von seinem Opfer ab.
„Du schwachsinniger Idiot. Willst du den Vertrag brechen, jetzt und hier? Versuch es und ich brenne dir die Aufhebung in den Schädel.“
Der Schmerz und die inakzeptable Tatsache, sich beugen zu müssen, wirkten derart beleidigend auf Damien, sodass er mit wütender verbaler Äußerung sofort verschwand. Amy sank kraftlos zusammen. Trotz der eigenen Probleme stolperte Steinfeld ihr helfend zur Seite.
„Lassen Sie mich! Oder wollen Sie, dass Schlimmeres passiert?“ Ungestüm schnappte sie ihre exklusive Pradahandtasche, riss den Stuhl zur Seite und stürmte an der aufgelösten Assistentin vorbei.
„Oh mein Gott. Soll ich die Polizei informieren? Dr. Steinfeld?“
Langsam registrierte der Psychologe, dass man ihn ansprach. „Nein, das ist nicht nötig. Bitte lassen Sie mich jetzt alleine. Das muss ich in Ruhe verdauen.“
Verwirrt tat sie wie geheißen und schloss die Tür leise hinter sich. Steinfeld stand vor seinem Schreibtisch, auf welchem zuvor seine Patientin unsanft landete. In seiner Hand hielt er einen Zettel mit einer kurzen Notiz. Die Handschrift verriet Angst, als die wenigen Worte niedergeschrieben wurde: Helfen Sie mir! Er wird von Tag zu Tag unberechenbarer. Amy.
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Wie ein wütender Orkan stürmte Amy aus dem Gebäude und zu ihrem Wagen. Zur Ablenkung von all der Aufregung warf sie einen Blick auf ihre teure Uhr. 10:34 Uhr zeigte sie an. Vor dem Wagen blieb Amy noch einmal stehen, rückte ihre Kleidung zurecht und warf ihre Haare über ihre Schulter. Ein lauter Seufzer entfuhr ihrer Kehle. Die kühle Luft tat ihr unsäglich gut. Das Gefühl, dass ihr alles zwischen den Fingern dahinfloss wie Sand, war einfach grässlich und Damien würde durch ihr Eingreifen auch nicht gerade ruhiger werden. Aber was hatte er sich erlaubt sich so etwas zu tun? Das würde noch Konsequenzen haben! So viel stand fest!
Mit erhobenem Haupt stieg sie in den schwarzen Schlitten.
"Zu Salems, Mrs.?", fragte der Chauffeur höflich und genau so extrem sachlich, wie Amy es liebte.
"Ja, fahren Sie zu Salems! Ich habe Hunger!", antwortete sie. Der Chauffeur warf einen vorsichtigen Blick durch den Spiegel auf Amy. Ihr Antwort war ungewohnt freundlich und klang auch gar nicht so barsch wie sonst. Doch dann wandte er sich trotzdem ab und fuhr an.
Nach knapp zehn Minuten Fahrt durch die Innenstadt erreichte der Wagen das teure Luxusrestaurant Salems, Amys Lieblingsrestaurant. Als Amy ausgestiegen war sah sie noch einmal auf die Uhr, perfekte Zeit für einen üppigen Brunch.
---------------------------Somika

Das Salems schimpfte sich nicht umsonst, DAS Restaurant zu sein. Man bot alle erdenklichen Annehmlichkeiten und welcher vergleichbare Laden konnte von sich behaupten, um dieser Uhrzeit die Gäste mit ruhiger Livemusik zu Unterhalten. Abwechslung war oberstes Gebot und die Zufriedenheit der Gäste das Kredo. Berieselte in der letzten Woche noch eine Harfenistin den größeren Raum, fand Amy zu ihrer Zufriedenheit heute Kenneth Brown am Piano vor. Sie mochte ihn. Gewiss steckte hinter der Fassade eines geleckt aussehenden Berufsmusikers ein ganz anderer Kerl. Jemand der nicht die ganze Zeit Lieder voller Hoffnung verbreitete und sich ernsthafte Gedanken zum Weltgeschehen machte. Zumindest redete sie sich dies ein.
Der höffliche und zu manchen Zeiten leicht übereifrige Kellner, Jean-Pierre, begrüßte Amy in seiner überschwänglichen Art und geleitete sie zu ihrem Stammplatz. Er vergaß dabei nicht, ihr Komplimente über ihr heutiges Erscheinungsbild zu machen. Auf der einen Seite nervte dies, aber auf der anderen fragte sie sich, aus welchem Fundus er jedes Mal neue Worte und Formulierungen schöpfte. Egal, Jean-Pierre passte in diesen Job, wie die Faust auf Damiens Auge. Ein reizvoller Gedanke.
Im weiteren Verlauf wollte sie hier Ruhe finden und ihre Gedanken abschalten. Die Saat der Hoffnung hatte sie ausgelegt. Ab jetzt musste sie höllisch aufpassen. Ihr blieb der eine Raum ihres Ichs, um Damiens Neugierde zu entgehen und nur dort durfte sie Pläne ihn betreffend schmieden. Und das wollte sie. Nach den heutigen Vorfällen stand es für sie außer Frage, sollte sie untergehen müssen, würde sie ihn mit sich reißen. In aller letzter Konsequenz verstand sich. Heute wurde ihre Augen geöffnet. Nachdem man ihr jahrelang auf dem Kopf herumtanzte, fand sie in Damien die Chance der Rache um den Preis, jetzt nach seiner Pfeife tanzen zu sollen. Weit gefehlt. Sie änderte ihre Wesensart in diesen überreichen Kotzbrocken nicht damit ein anderer mit ihr machen konnte, was er wollte. Kampflust wurde geweckt. Noch kannte sie die Tragweite ihrer Idee nicht. Ihre Gedanken wurden durch den mit einem Servierwagen herbeischwebenden Jean-Pierre unterbrochen. Offensichtlich meinte er es zu gut mit ihr.

-------------------------------------------------Beringar
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Der Kampf in mir
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